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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0326 |
Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2 |
| 絹織物の美術史 : vol.2 |
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wieder wirksam hervor, denn das Arabertum, im Mittelalter das einigende, ausgleichende
Element in der muhammedanischen Kunst, hatte seine Rolle als Kulturträger ausgespielt.
Abseits vom Weltverkehr fristete die westsarazenische Kunst in dem auf mittelalterlicher
Stufe verharrenden Marokko ein unbeachtetes Dasein, dem kein Aufstieg mehr beschieden
war. Im Osten dagegen regten sich frische Kräfte auf dem Boden der beiden Staatswesen,
in denen die ostmuslimische Welt der Neuzeit sich sammelte. Persien hatten nach Jahr-
hunderten der Fremdherrschaft die Sefiden zu einem unabhängigen Nationalstaat erhoben,
den auch die derzeit beseitigte Kadscharendynastie im 18. Jahrhundert noch leidlich über
Wasser zu halten verstand. Hier erlebte die iranische Kunst im 16. und 17. Jahrhundert eine
Art Renaissance, die in der Weberei und noch mehr in der Teppicharbeit Glänzendes ge-
schaffen hat. Den ganzen vorderen Orient vom Schwarzen Meer über Konstantinopel,
Kleinasien, Syrien, Ägypten bis nach Nordafrika schlossen die Osmanen zu einer gewaltigen
Großmacht zusammen. Dieses Reich war nicht national; auch wenn man die Südslawen
und christlichen Vasallen, die am osmanischen Kunstschaffen keinen Anteil hatten, außer
Acht läßt, umfaßte die Türkei mit ihren Armeniern, Griechen, Arabern, Kurden, Syrern ein
sehr verschiedenartiges Völkergemenge. Trotzdem trägt die Kunst des Osmanenreichs in
ihren wichtigsten Äußerungen, Bauten, Keramik und Textilien, von Konstantinopel bis
Kairo ein auffallend einheitliches Gepräge. Das ist um so merkwürdiger, als man den Os-
manen selbst keine künstlerischen Fähigkeiten zutraut und — vielleicht mit Recht — an-
nimmt, daß die Kunsthandwerker vorwiegend der alten Bevölkerung angehörten, also
Griechen, Syrer, Armenier waren, wie das schon Marco Polo aus dem kleinasiatischen
Reich der seldschukischen Türken berichtete. Über dieses Verhältnis ist keine rechte Klar-
heit zu gewinnen. Sicher ist jedoch, daß der neue Stil des vorderen Orients landschaftlich
an die Grenzen der Türkei gebunden ist und zeitlich mit ihrer politischen Großmachtstellung
zusammenfällt. Demgemäß kann man nicht anders als von einem Osmanenstil reden, am
meisten bei der Seidenweberei, die im Herzen der Türkei am Marmarameer ihren Haupt-
sitz hatte.
Nur in diesen zwei Gebieten, in Persien und der Türkei, ist die orientalische Seiden-
kunst der Neuzeit noch erfolgreich und schöpferisch betrieben worden. Zwar erblühte auch
in Indien unter den Mogulkaisern eine wesentlich muhammedanische Kunst; sie kommt
indessen hier nicht in Betracht, weil von alten indischen Seidengeweben nichts bekannt ist.
Die osmanischen Stoffe.
Die türkischen Musterzeichner haben sich anfänglich — um 1500 etwa — so stark auf
italienische Vorbilder der Spätgotik und des Übergangstils gestützt, daß ihre Samtbrokate
zum großen Teil für venezianer Arbeiten unter orientalischem Einfluß oder für den orien-
talischen Markt angesehen worden sind. Die bekannte Empfänglichkeit des venezianischen
Kunstgewerbes für islamische Formen schien diese Anschauung hinreichend zu bekräftigen.
Bei aufmerksamer Betrachtung der Muster ergibt sich jedoch das Gegenteil. Die Abbil-
dung 604 zeigt denjenigen türkischen Samtstoff, der am allerengsten an ein italienisches
Granatmuster sich anlehnt. Und doch offenbart sich schon hier in der Art, wie die gotische
Drehung der gezackten Blätter des Herzstückes mißverstanden ist, wie das Granatmotiv halb
Tulpe, halb Nelke wird, in der Mißbildung der Kronen, in den langgestreckten Zacken-
blättern sehr deutlich die Hand eines orientalischen Zeichners, der fremde Formen verarbeitet.
Etwas fortgeschrittener ist die Orientalisierung eines Granatmusters in Abbildung 605 und
T. 318. Hier haben die gotischen Rosen, die im italienischen Original die Unterlage der
Granatäpfel bildeten, einen orientalischen Zackenrand erhalten, und die Granatäpfel selbst
sind durch Tulpen und Nelken ersetzt. Man kann die osmanischen Samte übrigens
auch an der Bindung von den italienischen unterscheiden; während die letzteren etwa
von der Mitte des 16. Jahrhunderts ab fast immer geschorenen Flor und ungeschnittene
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