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0332 Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2
絹織物の美術史 : vol.2
Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2 / 332 ページ(白黒高解像度画像)

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doi: 10.20676/00000240
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nehmlich durch italienische und französische Stoffe übermittelt. Ein Beispiel dieser Neben-
strömung ist der türkische Wellenrankensamt auf Tafel 283 b, der dort irrtümlich unter die
Italiener versetzt ist.

Die verschiedenen Stilgruppen innerhalb der Osmanenstoffe und der Umfang des
Reiches lassen darauf schließen, daß die Seidenweberei in zahlreichen Orten betrieben wurde.
Mit Konstantinopel und Griechenland, Kleinasien und den griechischen Inseln, Syrien und
Ägypten hatte die Türkei lauter Gebiete mit altem Seidengewerbe und Seidenbau sich ein-
verleibt. Wie sich aber die erhaltenen Gewebe landschaftlich verteilen, ist unbekannt. Man
kann bemerken, daß die von den Granatmustern Italiens abgeleiteten Samte (wie Abb. 605)
am meisten mit den Fayencefliesen zusammengehen, die gewöhnlich Damaskus zuge-
schrieben werden. Auch liegt es nahe, die Heimat einer türkischen Brokatgruppe, die von
spanischen Renaissancestoffen die Felderbildung aus je vier großen Arabeskenblättern ent-
lehnt (T. 321), im Westen zu suchen, etwa in Syrien oder Ägypten. Die spezifisch osmani-
schen Muster mit den Nelken, Hyazinthen, Tulpen und Rosen (wie Abb. 606, 608, 609,
T. 319) sind wieder den Fliesen aus dem weiteren Umkreis von Konstantinopel verwandt.
Im Kunsthandel werden diese Stoffe oft nach Skutari und Brussa benannt, wo der türkische
Seidenbau noch jetzt ausfuhrfähig ist. Jedenfalls lag hier am Marmarameer der Schwerpunkt
der osmanischen Seidenweberei, und nach Mitteilungen von Hamdy Bey soll Biledschik
landeinwärts von Brussa die bedeutendste Weberstadt gewesen sein.

Ausschließlich religiösen Zwecken dienten die nicht seltenen Seidenstoffe, deren
Musterung bloß aus arabischen Inschriften — Anrufungen Gottes und Koransprüchen — in
Zickzackbändern besteht (T. 322). Wie sie den kalligraphischen Schwung und die ver-
wickelten Überschneidungen der Schriftzüge im Gewebe glatt und sauber wiedergeben, ist
aller Ehren wert. Als Bedeckung von Sarkophagen der Sultane und Heiligen sind solche
Inschriftenstoffe in den Moscheen und Turbes von Konstantinopel am häufigsten erhalten;
doch ist nicht anzunehmen, daß ihre Herstellung auf den Osten des Osmanenreichs be-
schränkt blieb.

Persien.

Die türkische und persische Seidenweberei sind durch die gemeinislamische Grund-
lage und mancherlei gegenseitige Beeinflussungen verbunden. Aber obwohl sie vielfach
dieselben Zierformen verarbeiten, behielt der Seidenstil jedes der beiden Länder doch sein
nationales Gepräge, sodaß ihre Erzeugnisse sich in der Regel scharf voneinander unter-
scheiden. Daß die Türken als rechtgläubige Sunniten alle animalischen Motive in ihrem
Textilornament streng vermeiden, während die schiitischen Perser, wenn es sich nicht grade
um Arbeiten für Moscheen handelt, Tiere und Menschen ganz unbedenklich und ausgiebig
darstellen, ist nicht ausschlaggebend. Denn auch in Persien ist ein großer Teil der neuzeit-
lichen Stoffmuster rein pflanzlich. Aber den iranischen Stoffen fehlt vollständig die Wucht
und Größe des Osmanenstils. Sie sind mannigfaltiger und farbenreicher, auch in der Textur
vielseitiger, meistens zierlicher im Maßstab, zuweilen kleinlich und unruhig. Es gibt zwar
Perserstoffe, die an Klarheit und Kraft der türkischen Art nahekommen, wie das einfach
entworfene Cypressenmuster T. 323 beweist; aber dieser schlichte Typus ist selten. Viel
kennzeichnender für den iranischen Geschmack ist das blühende Geranke des Goldbrokats
T. 324, das den Grund und die gliedernden Bänder reich aber etwas haltlos ausfüllt. Man
darf dabei jedoch nicht übersehen, daß wir über die persischen Gewebe des 16. Jahrhun-
derts, also grade der Zeit, die in der Türkei die großzügigsten Muster schuf, nur schlecht unter-
richtet sind. Sei es, daß die Ausbreitung der Türkenherrschaft über die ganze Südseite des
Mittelmeers die Ausfuhr Persiens hemmte, sei es, daß die Osmanenstoffe zeitweilig am euro-
päischen Markt den Sieg davontrugen, jedenfalls ist von iranischen Seidengeweben des
16. Jahrhunderts auffallend wenig vorhanden.

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