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0012 Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2
絹織物の美術史 : vol.2
Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2 / 12 ページ(カラー画像)

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doi: 10.20676/00000240
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OCR読み取り結果

vor dem 10. oder 11. Jahrhundert ist von einer beträchtlichen Seidenerzeugung in Hellas
noch nicht die Rede.
Den Gipfel seines Ansehens als Staatswesen und vornehmster Kulturträger der
Christenheit erreichte das mittelalterliche Byzanz durch die Waffentaten der großen Kriegs-
helden des makedonischen Hauses, Basilius I, Nikephoros Phokas, Johannes Tzimiskes und
Basilius II. Nach der Niederwerfung der Bulgaren bildete die Donau wieder die Nord-
grenze des Reiches und außer Kreta und dem seidenbauenden Cypern wurde Antiochia
dem Islam abgerungen. Mit den politischen Erfolgen des 10. und 11. Jahrhunderts ging
der wirtschaftliche und künstlerische Aufschwung Hand in Hand. Die byzantinische Kunst
wird in dieser Zeit und darüber hinaus das bewunderte Vorbild des Abendlandes; wir
sehen ihre Ausstrahlungen in Rußland, Venedig, Palermo, und die Spuren ihres Einflusses
in Italien so gut wie in Deutschland; man braucht nur der Kunstschulen von Trier, Regens-
burg, Essen zu gedenken. Zu diesem weitreichenden Ruhm hat die griechische Seiden-
weberei ihr redliches Teil beigetragen. Sie verbreitete sich von Konstantinopel über die In-
seln und Hellas; ihre Hauptsitze wurden Cypern, wo als besonderer Betrieb die Herstel-
lung von Goldfaden in Blüte stand, und Theben. Hier war die Judenschaft nicht nur am
Seidenhandel, wie in der Hauptstadt und anderwärts, sondern auch an der Weberei und
Färberei stark beteiligt. „In Theben wohnen an 2000 Juden, die geschicktesten Seiden-
arbeiter und Purpurkünstler in Griechenland", berichtet um 1170 der spanische Rabbi Ben-
jamin von Tudela.¹) Aus der Blütezeit vom 10. bis zum 12. Jahrhundert sind byzantinische
Stoffe genug vorhanden als Zeugnisse dafür, daß die griechische Seidenkunst sich wieder
gleichwertig neben der islamischen zur Geltung gebracht hat. Es scheint auch nicht, daß
die große Katastrophe des Jahres 1204, die Plünderung Konstantinopels durch die Lateiner
und der Zusammenbruch des griechischen Kaisertums, ihr den Todesstoß versetzt hat.
Denn im Schatzverzeichnis des Heiligen Stuhls vom Jahre 1295, also nach Wiederherste-
lung der griechischen Herrschaft, sind die Panni Romaniae noch in langer Reihe aufge-
führt, durchaus nicht geringer an Zahl als die Panni tartarici des Orients oder die Seiden-
stoffe aus Spanien, Lucca und Venedig. Und wenn auch aus dem späten Mittelalter, als
Italien das erste Seidenland geworden war und den europäischen Markt beherrschte, by-
zantinische Gewebe kaum mehr nachzuweisen sind, so lehrt doch die berühmte goldge-
stickte Dalmatik von S. Peter in Rom, daß die Textilkunst am Bosporus noch im 14. Jahr-
hundert auf ansehnlicher Höhe stand. Der Stoffname „Imperialis", der im frühen Mittel-
alter nur hochwertige Seidenstoffe aus den kaiserlichen Werkstätten von Byzanz bezeichnete,
kommt noch um 1390 mehrfach im Schatzverzeichnis des Prager Domkapitels vor; die
Rubrica ornatorum integrorum führt auf: „Ornatus cum griffonibus super rubeo de Im-
periali; Ornatus integer cum aquillis de Imperiali super rubeo; de nachone rubeo imperiali."
Es wäre möglich, daß der Name Imperialis damals schon als Qualitätsbezeichnung gleich
Baldakinus auf italienische Gewebe übergegangen war. Da aber gegen Ende des 14. Jahr-
hunderts Greifen- und Adlermuster in Italien nicht mehr gebräuchlich waren, während ihr
Fortleben in Konstantinopel dem stationären Wesen der spätbyzantinischen Kunst entspricht,
ist doch anzunehmen, daß die Angaben des Prager Inventars sich wirklich auf spätgriechis-
sche Seidenstoffe beziehen.²)
Stoffe des 8. bis 10. Jahrhunderts.
Das beste Beispiel aus der frühmittelalterlichen Zeit des Niederganges ist der Greifen-