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0223 Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2
絹織物の美術史 : vol.2
Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2 / 223 ページ(カラー画像)

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doi: 10.20676/00000240
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OCR読み取り結果

Löwe kommt im
Pariser Skizzenbuch
fol. 72 b vor, aller-
dings nicht als Tex-
tilentwurf, sondern
in der Art einer Na-
turstudie (Golu-
bew T. 77). Mit den
Zeichnungen und
den vorgenannten
Stoffen hat dieses
Stück zudem den
gleichen Grad isla-
mischen Einflusses
gemeinsam.¹)

Den weiteren
Verlauf der Seiden-
kunst Venedigs wer-
den wir im Ab-
schnitt der Spätgotik verfolgen.

Als Anhang der früh- und mittelgotischen Gruppe beanspruchen noch einige italie-
nische Stoffe *unbestimmter Herkunft* eine kurze Erwähnung. Bei der Brandenburger Brokat-
kasel Tafel 193 a erinnern die Blattwedel, welche sitzende Löwen umgeben, an Lucca, wäh-
rend der Stralsunder Stoff Tafel 193 b mit gegenständigen Schwänen und Greifen den lockeren
Goldeinschlag mit venezianer Geweben gemein hat. Beiden Stücken fehlen jedoch nicht
nur die ornamentalen Leitmotive der zwei führenden Seidenstädte, sondern auch die Sicher-
heit und Klarheit der Zeichnung, die deren Erzeugnisse fast durchweg auszeichnen. Den
goldbroschierten weißen Seidendamast Tafel 194 setzt die Tafelbeschreibung nach Spanien.
Dafür läßt sich anführen, daß die arabische Schrift in den Bandrollen viel echter aussieht,
als es bei italienischen Stoffen der Fall zu sein pflegt. Dagegen jedoch, daß die Palmetten
und spinnenartigen Insekten nicht aus dem spanischen Goldfaden mit gelber Seidenseele,
sondern aus italienischem Leinengoldfaden einbroschiert sind. Außerdem sind technisch
ähnliche weiße Damaste mit Goldbroschierung unter den italienischen Stoffen des 15. Jahr-
hunderts nicht selten, während im spanischen Bestand keine Analogie dazu vorhanden ist.
Auch der Brokat Tafel 195 mutet zunächst durch die an islamischen Geweben häufige
Zickzackteilung und durch die steigenden Löwen spanisch an; doch ist wieder italienischer,
nicht spanischer Goldfaden verwendet. Das Bandgeflecht deutet auf die Renaissance; schwer-
lich fällt der Stoff vor das 15. Jahrhundert.

Die beiden auf Tafel 196 a, b vereinten Brokate gehören durch die im Gegensatz zu
den meisten luccanischen und venezianischen Rotbrokaten unverblichene hochrote Grund-
farbe und durch die Beschaffenheit des Goldfadens zusammen. Sie sind außer den auf
Tafel 138 b und T. 124 d abgebildeten Stücken die einzigen Trecentostoffe, die statt der sonst
in Italien alleinherrschenden Darmgoldfäden ein metallisches Gespinnst aus vergoldetem
Silberlahn über einem gelben Seidenfaden aufweisen. Dadurch scheiden sie aus den zwei
großen Gruppen von Lucca und Venedig aus, von denen beide auch stilistisch abweichen.