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0293 Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2
Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2 / Page 293 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000240
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Abb. 566 als Beispiel anzuführen. Eine besondere
Richtung ist aus solchen Grenzüberschreitungen in-
dessen nicht entstanden; die untextilen Formen sind
immer Fremdkörper innerhalb des Flachornaments
geblieben.

Eine Steigerung und Veredlung in technischer
Hinsicht und in der Farbigkeit hat die Renaissance
der Seidenweberei nicht gebracht, schon deshalb
nicht, weil das italienische Seidengewerbe des 16.
und 17. Jahrhunderts viel mehr auf die Massen-
erzeugung gangbarer Stoffe für den breiten Bedarf,
als auf hohe künstlerische Ziele gerichtet war. Die
Prachttexturen der Spätgotik sind wohl gelegentlich
noch erreicht, aber nicht mehr übertroffen worden.
Eine reiche und gewählte Vielfarbigkeit ist manch-
mal bei venezianer Samten aus der Zeit des Über-
gangsstils und vielleicht noch etwas länger in Florenz
zu finden (Abb. 567); dann gewinnt mit der Spät-
renaissance neben den einfarbigen Damasten die
Zweifarbigkeit durchaus die Oberhand. Sie be-
herrscht mit ihren starken und einfachen Gegen-
sätzen in gleicher Weise die glatten Seidenstoffe wie
die Samte. Bei den letzteren wird das Muster in der
Regel dunkel auf hell — die allerhäufigste Zusammen-
stellung ist rot auf gelb (T. 272, 273) — in der Weise
gewebt, daß auf glattem Grund der geschorene Samt
von ungeschorenen Umrissen eingefaßt wird, die zu-
gleich die Binnenzeichnungen herstellen (vgl. T. 249,
251, 269). Diese Textur dient vereint mit der Zwei-
farbigkeit aufs beste dem Drang der Renaissance
nach scharf umrissenen Ornamenten, die sich deut-
lich, fast greifbar körperhaft vom Grund abheben
sollen. Es ist dieselbe Geschmacksrichtung, welche
die Auflage- oder Applikationsstickerei als bevor-
zugtestes Sticktechnik des 16. Jahrhunderts erhoben
hat. Bei dem in besonders reinen Renaissanceformen
gezeichneten Samtstoff T. 272 ist offenbar die Wir-
kung einer Applikationsarbeit beabsichtigt und er-
reicht worden. Den starken Lichtkontrast zwischen
der geschnittenen und der ungeschnittenen Samt-
fläche haben die Renaissance- und Barockzeit so viel
als möglich ausgenützt. Während die Gotik einfarbige
Samtstoffe durch den Flor in zwei Höhen zu mustern
pflegte, wählt die Folgezeit dafür geschorene Flor-
muster auf ungeschnittenem Grund (T. 274) oder
umgekehrt (vgl. T. 258). Italien und Spanien haben
davon gleich zahlreiche Denkmäler hinterlassen.

Die Blütezeit der Tapetenweberei umfaßt das
ganze 17. Jahrhundert. Die Seiden- und Samttapeten mit ihren großen, bahnbreit ent-

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