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0004 Reise in China und Tibet, 1905-1908 : vol.1
Reise in China und Tibet, 1905-1908 : vol.1 / Page 4 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000265
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rei Jahre hindurch, vom Januar 1905 bis zum Frühjahr 1908, hat Albert Tafel aus eigenen Mitteln
eine Forschungsreise in China und Tibet gemacht. Er hat den Tsin ling schon überschritten, ist vor-
gedrungen in das Land der Ordos-Mongolen und hat in entsagungsvoller Weise die Hochregionen
zwischen dem oberen Hoang ho und dem Yang tse kiang, sowie deren Abfall gegen Osten untersucht.
Für die Wahl seiner Reiserouten und Wünsche von Ferdinand Freiherrn v. Richthofen von bestimmendem Einflusse
geworden. Dieser schätzte Tafel hoch, den er als Mitglied seines geographischen Kolloquiums kennen gelernt hatte:
„Er hat meine Zuneigung in nicht gewöhnlichem Maße gewonnen, wie er sich hier überhaupt die Sympathie der-
jenigen, die ihn kennen gelernt haben, erobert hat. Tatendrang, Energie in der Unternehmung, Umsicht in der
Ausführung, praktischer Sinn, Lebendigkeit des wissenschaftlichen Interesses, offenes Auge für die Beobachtung ver-
einigen sich bei ihm in einem seltenen Maße." Mit diesen Worten hat Ferdinand Freiherr v. Richthofen in einem
Briefe Dr. Tafel charakterisiert. Er lenkte dessen Blick zunächst auf die geologischen Probleme, welche der Lauf des
Hoang ho an der Grenze der Provinzen Schan si und Schen si, sowie weiter nördlich im Lande der Ordos-Mongolen
darbietet, und dann weiter in wiederholten Briefen auf das Grenzgebiet zwischen dem Nordost-Vorsprung von Tibet
und China, wo er aus der Absenkung des Tibetischen Hochlandes auf eine gewaltige Verwerfung schloß.
Dr. Tafel war Weihnachten 1903 als ärztlicher Reisebegleiter von Filchners Expedition nach China ge-
kommen und hatte als solcher das chinesisch-tibetische Grenzgebiet bereits kennen gelernt. Früher hatte er Reisen
in Albanien und Persien gemacht sowie durch Kreta durchstreift. Tüchtige geographische Studien hatten seinen Blick
geschärft und vertieft. So besaß er, wie Ferdinand Freiherr v. Richthofen richtig erkannte, alle Eignung zur Vor-
nahme einer großen Forschungsreise, obwohl wissenschaftliche geographische Arbeiten von ihm noch nicht vorlagen.
Über die Reise selbst hat Tafel kurz nach seiner Rückkehr in der Festsitzung der Gesellschaft für Erdkunde
zu Berlin am 23. Mai 1908 anläßlich der Feier von deren 80jährigen Bestehen berichtet*). Seither ist er unermüdlich
tätig gewesen in der Ausarbeitung der Reiseergebnisse und hat sich zunächst der Konstruktion seiner Itinerare ge-
widmet. Solche sind leider in China viel zu wenig aufgenommen worden. Die reichliche Erfüllung der Karte von
China mit Flußläufen, Ortsnamen und Gebirgsschraffuren verleitet nur zu leicht zur Annahme, daß hier alle grund-
legende geographische Arbeit bereits geleistet sei. In der Tat kann kein Zweifel darüber sein, daß die Chinesen
seit Jahrhunderten schon kartographische Aufnahmen gefördert haben, und daß bei Beginn des 18. Jahrhunderts die
Jesuiten diesen Aufnahmen ein Gerippe durch Festlegung astronomischer Positionen gewährt haben; aber diese
Arbeiten machen keineswegs neuere Itinerar-Aufnahmen unnötig. Das heutige Kartenbild von China ist in bezug
auf Flußnetz und Situation keineswegs überall verlässlich, wie Dr. Tafels Arbeiten an mehr als einer Stelle gelehrt
haben. Es trägt namentlich in bezug auf die Angabe von Orten oft mehr der Vergangenheit als der Gegenwart
Rechnung; vor allem aber ist die Darstellung des Geländes eine überaus mangelhafte. Niemand hat dies klarer er-
kannt als Ferdinand Freiherr v. Richthofen, und eindringlich hat er Tafel geschrieben, nicht zu glauben, daß selbst
öfters begangene Strecken genauer bekannt seien. Richthofen selbst hat Itinerar-Aufnahmen im weitesten Umfange
und mit größter Sorgfalt durchgeführt. Während er aber versuchte, dieselben mit der Gesamtheit dessen, was von
der Geographie Chinas übermittelt ist, in seinem Atlas von China zu einem großartig gezeichneten Gesamtbilde des