National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
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Meine Tibetreise : vol.1 |
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Die Regeln der Gelug ba-Sekte werden im Kloster Gum bum noch immer
sehr streng gehandhabt. Viele von den Mönchen, zumal ältere dGeslong, halten
sich auch sicherlich aus eigenem inneren Antrieb genau an ihre Gelübde der
Armut, Weinabstinenz, Keuschheit und Wahrhaftigkeit und die anderen
250 dGeslong-Gebote. Diejenigen aber, die sich offenkundig gegen die Gesetze
verstoßen, straft der Klosterprofos mit unerbittlicher Strenge 1).
Innerhalb des Klosters darf kein Mönch sich unterstehen, in unvorschrifts-
mäßiger Kleidung zu erscheinen. Keiner darf Strümpfe, Hut, Hemd, Hose
oder eine Jacke mit Ärmel oder sonst ein Laiengewand tragen. Nur in der
Güte des Materials, das zum Anzug verwendet wird, unterscheiden sich die
Mönche voneinander, sonst ist der jüngste Novize wie der höchststehende Lama
gleich gekleidet. Aus einem ursprünglich dunkelkrapproten, bei vielen aber
schmutzig schwarzen Stoff ist das Mönchsgewand hergestellt. Nur ein Falten-
rock, der beinahe bis an die Knöchel reicht, ein oder zwei kurze ärmellose Westen
und der „Zan" (gzan), die tibetische Toga, die aus einem rechteckigen Stück
Tuch von 11/2 m Breite bei 5-7 m Länge besteht, dürfen den Körper einhüllen.
Die Füße stecken in plumpen Yaklederstiefeln, die aber vor den Gebetsübungen
immer abgelegt werden.
Die jüngeren Mönche zumal sind in der Regel sehr arm. Sie müssen allerlei
Dienerdienste bei ihren Professoren verrichten. Sie sind auch meist sehr ärmlich
gekleidet. Ungewaschen und die nackten Arme mit einer dicken schwarzen
Schmutzkruste bedeckt, Toga und Rock zerrissen, erinnern sie oft mehr an
Vogelscheuchen als an Geistliche.
Während der Butterfestwoche traten die Mönche in ihren gleichartigen,
trübdunkelroten Gewändern vollkommen hinter den Laien zurück.
1) Der Ausdruck „Lama" heißt wörtlich „Oberer" und wird streng genommen nur für die höchsten Würdenträger der buddhistisch-lamaistischen Hierarchie angewandt. Die meisten Mönche werden in frühester Jugend von ihren Eltern zum geistlichen Beruf bestimmt und etwa im Alter von 6-8 Jahren einem älteren Mönche zur Erziehung übergeben. Diesem haben sie im Haushalte zu helfen, sie bezahlen ihm noch außerdem etwas Kostgeld und er lehrt sie dafür lesen. Auf dieser Stufe werden die jungen Geistlichen Ben dschung (dge sbyong), d. h. Novizen, chinesisch und mongolisch Scha bi genannt. Wenn sie nach einigen Jahren lesen und einige Gebete von etwa 100-200 Druckseiten auswendig hersagen können, dann werden sie von einem Klostervorsteher geprüft und ihr Name wird in die Klosterliste eingetragen. Hierbei haben sie eine kleine Taxe an das Kloster zu zahlen und allen Klosterbrüdern einen Festschmaus zu geben. Im Alter von etwa 17-20 Jahren werden sie wieder geprüft. Sie müssen dann 36 Gelübde ablegen und der Abt gibt ihnen ihren Klosternamen. Damit sind sie „Getsul" geworden (chinesisch und mongolisch: Ban ti oder Wan de). Sie zählen zwar immer noch weiter zu der Klasse der Klosterschüler (Dschraba oder Wanda), aber sie nehmen jetzt regelmäßig an den Gebetsübungen teil. Nach einigen Jahren und vor allem, wenn sie das nötige Reisegeld zusammengespart haben, reisen die Getsul nach Lhasa, d. h. sie gehen jetzt gewissermaßen auf ihre Universität. Sie studieren in irgend einem der großen Klöster in der Umgebung von Lhasa, legen dort neue Prüfungen ab und erhalten nach Absolvierung derselben einen neuen Namen, ihren Lamanamen. Damit sind sie dGeslong (ausgespr.: Gelung, gelong, geschr.: dge slong) geworden = tugendhafte Bettler (chinesisch und mongolisch: Ke lung), d. h. voll ordinierte Mönche. Diese müssen 253 Gebote einhalten. Die meisten kehren, nachdem sie den Grad eines dGeslong erhalten haben, in ihr Heimatkloster zurück. Andere studieren weiter und absolvieren noch weitere Examina, erlangen noch höhere Titel. Als die höchsten Grade gelten die „Gechi" (dgehsis) und Rab" gamba (rabh hgamsba), die etwa unserem „Doktor" entsprechen.
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