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0332 Meine Tibetreise : vol.1
Meine Tibetreise : vol.1 / Page 332 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000264
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bedeckten Randbergen Tibets hinweg in die kahlen, gelben Lößhügel Chinas
zurück, und nach einem nur einstündigen Ritte über Lößschluchten und Löß-
bergsättel war schon nirgends mehr ein Fleckchen Schnee zu entdecken. Nur
wo die Luft steil aufsteigen mußte, war es zu einem Niederschlag gekommen.
Das Lößhügelland vor der tibetischen Hochlandschwelle wartete noch immer
vergeblich seit vielen Monaten auf Schnee und Regen. Da wir eilig ritten, damit
uns nicht zu guter Letzt das schwere, eisenbeschlagene Stadttor der chinesischen
Grenzfeste Hsi ning fu vor der Nase zugeschlagen werde, so steckten wir den
ganzen Tag in einer dicken Staubwolke, die von den hurtigen Füßchen unserer
Ponys emporgewirbelt wurde. Nur sterile, niedere Hügel aus lößbedeckten,
rötlichen Schotterschichten (100, 200 m höher als die Talböden) umgaben
uns. Staubfarben, gelb, graugelb und blendend schimmerte in der grellen
Gebirgssonne unsere Umgebung. Ich haßte diese Lößlandschaften und ich
atmete auf, als endlich am Abend das klotzige Bollwerk mit den mächtig
langen Zinnenreihen, als die Stadt Hsi ning fu, dieser uralte jahrtausendalte Stütz-
punkt chinesischer Macht an der Grenze der ewig unruhigen tibetischen Berg-
völker, vor mir auftauchte.

Gerade als ich an der Spitze meiner stattlichen Dienerschar mit allen
meinen Maultieren, Pferden und Hunden durch das riesenhafte Westtor und
die engen kotigen Gassen der Stadt trabte, hatten sich noch andere Gäste,
die aber fern aus dem Tiefland Chinas heraufgekommen waren, daselbst ein-
gestellt, eine Schar, die schneller gereist war als wir und die trotzdem nicht
müde vom weiten Wege aus Freude an dem herrlich strahlenden Sonnenunter-
gang zum Schlusse ihrer Fahrt weitausgreifende Bögen über der Chinesenstadt
beschrieb. Hunderte von mächtigen braunen Milanen waren angekommen, die
jetzt in stolzen Kreisen durcheinanderschwebten. Sie riefen den Menschen das
Nahen des Frühlings mit heiserem Pfeifen zu.

Jetzt war es wirklich Zeit, ernstlich die Sommerkampagne vorzubereiten.
Jetzt mußte doch auch bald droben auf den kalten Hochsteppen Tibets das er-
sehnte Grün erscheinen, das mir zum Gelingen meiner Reisepläne so notwendig
war, das mir die fernen großen Probleme lösen helfen sollte.

Früh am anderen Morgen begann ich mit den neuen Vorbereitungen. Jetzt
fing eigentlich erst meine große Reise an, jetzt sollte es für lange Zeit ins
„Ts'ao ti" gehen, in das große „Grasland", wie man in Hsi ning allgemein Tibet
und seine unendlichen Hochsteppen nennt. Wieder gab es für mich zunächst
ein tagelanges Feilschen mit Getreide- und Erbsenhändlern, mit Müllern und
Makkaronibäckern. Ich kaufte Lebensmittel, Tauschartikel, Geräte und Werk-
zeuge ein, die mir und zehn Begleitern ein ganzes Jahr ausreichen sollten.

Was die Ausrüstung unendlich erschwerte, war die Kleinlichkeit des chinesi-
schen Handels. In Hsi ning fu sind gar keine großen Kaufleute ansässig. Es
ist eine Beamten- und keine Handelsstadt. Niemand konnte eine größere Be-
stellung ausführen. Es mußte alles kleinweise von mir zusammengekauft und
mit einer ganzen Anzahl von Lieferanten abgeschlossen werden, und allen
diesen fehlte natürlich gänzlich der Begriff, daß Zeit Geld ist. Keiner zeigte
etwas von dem großzügigen spekulativen Sinn, den man bei den Küstenchinesen
gewohnt sind. Es ist ein schwerfälliges Bauernvolk droben in der reichen Korn-
kammer des Hsi ning-Tales. Mit plumper Bauernschläue, mit tausend klein-
lichen Künsten und Kniffen suchten sie so viel wie möglich für sich herauszu-

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