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0016 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 16 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000264
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In Traschilhumpo in der Mitte steht ein Silbertempel.
Auf dem Silbertempel oben ist ein silbern Dach.
Auf dem silbernen Dache oben ist ein silberner Spruch.
Wenn es drei Jahre regnet, geht kein Silber weg.

In Traschilhumpo unten steht ein nephritgrüner Tempel.
Auf dem nephritgrünen Tempel oben . . ." usw. usw.

— — — — — — — —

Es ist dies ein gutes Beispiel für die tibetische Bildersprache. Gerade heraus
und grob ausgedrückt hätte es geheißen: Und wenn ich drei Jahre lang singe,
ist mein Schatz an Liedern noch nicht aus.

Ich hatte Tschang am Schlusse gesagt, er habe die Gäste nicht reichlich
genug bewirtet, nicht Gerichte genug geboten. „Was," erwiderte er voll Eifer,
„noch mehr willst du geben? Du hast doch mit Tee, Tsamba, gesottenem Schaf-
fleisch und Reis mit gebrannter Zuckersoße sowieso schon mehr, als landes-
üblich ist, geboten. Noch mehr Gerichte gibt man nicht, das würde niemand
verstehen, jedermann konnte satt werden! Ihr Europäer müßt sonderbare
Begriffe vom Essen haben!" Es war noch nicht dunkel geworden, als die beiden
Mongolen sich verabschiedeten, denn jedermann vermeidet bei Nacht mit
Pferden über die losen Felsplatten zu reiten. Aber noch lange klangen ihre
Hochgebirgsjuchzer zu uns herauf und wurden von den Wänden des Bergtales
verdoppelt und verdreifacht weitergegeben.

Noch eine Lehre erlebte ich an diesem Abend. Eine in Ts'aidam gekaufte
Yakkuh hatte ein kleines Kälbchen. Obwohl es angeblich schon über zwei
Monate alt war, machte es doch noch einen recht unscheinbaren Eindruck,
und ich zweifelte, ob es mit der Karawane würde Schritt halten können. Ich
hielt es darum für menschlicher, das Tierchen gleich zu schlachten. Selten bin
ich aber bei meinen Leuten auf einen gleich großen Widerspruch gestoßen,
selten solch verachtenden, strafenden Blicken begegnet! Es war, als ob ich
zu einem Kannibalenmahle eingeladen hätte. Allgemein wurde es für eine
Todsünde erklärt, das Kalb zu schlachten. Selbst Tschang, den ich im all-
gemeinen ziemlich liberal fand, meinte, ich möchte Kuh und Kalb dem Dyoba
geben und ihm, Tschang, 10 Tael, den Preis, den ich für Mutter und Kind be-
zahlt hatte, an seinem Gehalt abziehen. Auch meine sonst stets schächtlustigen
Mohammedaner verwahrten sich dagegen, einen solchen Mord zu begehen.
Auch behaupteten die Leute steif und fest: eine Yakkuh, die kein Kalb mehr
sehe, gebe keine Milch mehr. So mußte ich eben dem Yakkalb die große Reise
zumuten und auch fernerhin meine Milch mit dem Tierchen teilen. Bei dieser
Sitte ist noch eines sehr eigentümlich: Kälber der P'ien niu, d. h. solche vom
Yakbastard, werden von Tibetern sowohl wie auch von Mongolen stets sofort
geschlachtet. Das Fell dieser Kälber benützen die Tibeterinnen, um ihre Kleider
am unteren Rand mit einem schwarzen Pelzbesatz zu verbrämen. Die P'ien niu-
Kühe, die wegen besonders reichlicher Milch hoch geschätzt sind, machen eine
Ausnahme und geben auch ohne Kalb Milch. Daß die Kälber von Yakbastarden
untauglich seien, ist sicher auch nur ein Aberglaube. Wenn auch sehr selten,
so sieht man solche Tiere (tibetisch schdur genannt) doch manchmal erwachsen;
sie machen noch einen ganz kräftigen Eindruck und unter der Filchnerschen
Herde war eines, das uns wertvolle Dienste geleistet hat. Trotzdem es aber
tüchtig war, verlachten mich damals die Leute, daß ich es mir hatte aufhängen

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