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0017 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 17 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000264
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lassen. Von dem farbigen Rind, das man bei den Mongolen und Mohammedanern
antrifft, sagen die Besitzer, daß auch dieses sein Kalb nicht verlieren dürfe,
wenn es weiter Milch geben soll. Kalbfleisch aber erklären Tibeter wie Moham-
medaner für schlecht schmeckend. Das Fleisch der geschlachteten P'ien niu-
(schdur-)Kälber wird weggeworfen und nie genossen. Daß es Chinesen ein
Greuel ist, Rindfleisch zu essen, ist ja bekannt. Selbst in Hai ning fu, wo chi-
nesische Gebräuche sehr stark mit tibetischen und mohammedanischen ver-
mischt sind, gibt es noch eine große Zahl Chinesen, die den Genuß von Rind-
fleisch für eine Todsünde halten und sich sträuben, Milch zu genießen. Auch
unter Chinesen an der tibetischen Grenze heißt es noch allgemein: „niu sche fo",
das Rind ist ein Buddha. Es gilt auch als Sünde, es zum Reiten zu gebrauchen,
der Mensch soll es nur zum Pflügen verwenden. Der Tibeter jedoch schont
vielfach sein Pferd und reitet auf seinem Yakrind und sehr gerne auf dem
P'ien niu (tibet.: ntso) (Tafel LIX des I. Bandes).

Wie fast alle Tage, die ich im Barun-Ts'aidam-Gebiet war, lachte uns auch
am 3. August, als die Lasten aufgebunden wurden, ein strahlend klarer Morgen
an, und mit munterm Gesang trieben wir das Tal des Türketse gol weiter auf-
wärts. Die große Karawanenstraße dieses Tales, von der ich gehört hatte, war
bald hinter meinem Lager nur noch ein schwer zu erkennender, schmaler Pfad,
der eher nach einem Kyangwechsel als nach einem Reitweg aussah. Nur wo
von einer Geröllterrasse nach einem Bache abgestiegen werden mußte, hatten
die Tiere früherer Karawanen deutlichere Spuren hinterlassen. Es ging genau
südwärts und zum Schlusse recht steil. Immer spärlicher wurde die Vegetation.
Trotz der Abschüssigkeit des Hanges war höher oben der Boden nur eine
vegetationslose Sand- und Schlammmasse, die von mächtigen Geröllhaufen und
Felsblöcken durchsetzt war. Unendlich langsam kam mein schwarzes Häufchen
dem Passe näher. Laut keuchten wieder die Yak. Hilflos, unbeweglich sank
bald da, bald dort eines der Tiere in den schier grundlosen Schlamm. Es war
keine leichte Arbeit, die 30—40 kg schweren Halblasten immer wieder abzu-
laden, die Tiere herauszuhebeln und die Lasten aufs neue aufzubinden.

Am Passe oben, der nur 4815 m Höhe hat, jagte leider eine Schneewolke
die andere und hinderte mich daran, einen der den Paß noch um tausend
Meter überragenden Gipfel zu besteigen. Nur in den kurzen, lichteren Augen-
blicken, wenn die beißenden, harten Schneekörner den tränenden Augen einen
Ausblick ließen, konnte ich das wilde Bild, das der Paß bot, erkennen. Um so
imposanter erschien dann das wirre Chaos halbverwitterter Blöcke und Stein-
halden, das einen mächtigen, gegen Norden ausmündenden alten Gletscher-
zirkus eindeckte.

Nirgends sah ich in diesem Burkh'an Buda-Gebirge Flächen ewigen Schnees.
Wenn auch hier weit häufiger Niederschläge vorkommen als unten im Ts'aidam-
Becken, so vermögen diese heute im Kampfe gegen die trocknende Kraft der
Sonne doch nicht mehr zu bestehen und sich zu erhalten.

Fast begraben in Block- und Schuttwälle erscheinen die Gipfel um den
Türketse-Paß und illustrieren uns so die frühere, allmählich zurückgegangene
Vergletscherung des ganzen Gebietes.

„Haya! ien tschi da de ch'en ā!" Ach, was ist das „ien tschi" so sehr „groß"!
seufzten die Chinesen, als sie endlich oben ankamen und sich von der großen
Anstrengung, die der Schlamm und die dünne Luft mit sich brachten, voll-

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