国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0049 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
| 私のチベット旅行 : vol.2 |
引用情報
OCR読み取り結果
Noch einen Abend genoß ich das herrliche Bild der grünen K'am-Berge,
ehe ich wieder in die kahlen, rauhen Hochsteppen zurückkehrte. Schon ver-
loren die Schluchten und Täler ihre leuchtenden Farben; immer längere, jetzt
ineinander fließende Schatten warfen die zahlreichen Berggrate und Felsstufen
ins Tal. Kalt, grau rauschte, kaum hörbar, der Yang tse kiang neben mir,
T'ang sen's sagenhafter Tung t'ien h'o. Die großen Schafherden, die heute den
Tag über am jenseitigen Ufer wie Edelweißblüten die Berghänge überzogen,
hatten sich längst immer dichter zusammengeballt und zu den schützenden
Zeltplätzen zurückgezogen. Auch meine Vierfüßler lagen schon ruhig zwischen
den Zelten. Wieder einmal marterte mich eine unvorhergesehene Schwierigkeit.
Gedanken an neue Pläne und Aufgaben jagten sich mit der Sehnsucht nach
der fernen Heimat, nach den Lieben zu Hause.
Die ständige Sorge vor Überfall, Sümpfen und Viehseuchen war langsam
vergessen, nur noch die liebsten Erinnerungen und Bilder der Heimat hielten
mich gefangen.
Da! Was war das, was mich wie die Leute drüben an ihrem Lagerfeuer jäh
aufspringen läßt? Gar nicht fern war es gewesen, ein heiserer Pfiff, ganz wie
man Yakochsen anzutreiben pflegt! Ohne ein Wort zu verlieren, war jeder zu
seinem Gewehr gestürzt und dem Instinkte folgend Hals über Kopf den steilen
Hang hinter den Zelten hinaufgerannt. Jeden Augenblick erwartete man das
Krachen von Dutzenden von Gewehren. Oben angekommen, sah ich gerade
noch, wie meine Hunde unter wütendem Gebell der nächsten Schlucht zuließen.
Es war schon so dunkel, daß man höchstens 100 m weit sehen konnte, was weiter
hinten in den Schluchten sich versteckt halten mochte, ließ sich nicht erkennen.
Wir schliefen diese Nacht auf der Anhöhe über den Zelten im Halbkreis, das
Gewehr im Arm. Was mochte es nur sein? Was trieb die Hunde wieder und
wieder wie rasend in die dunkle Nacht hinaus? Und das trotz des Regens, der
schon vor Mitternacht auf uns niederprasselte und allmählich in Schnee überging!
„Tsche li bu gan tsing" („Hier ist's nicht sauber"), hieß es am Morgen. „Hier
hausen Gespenster und foppen die Menschen." — „In der Nähe sind Tote aus-
gesetzt worden," kalkulierte Tsch'eng weiter. Jedermann war froh, rasch von
dem Ort fortzukommen.
Gleich hinter dem Lager verließ ich über einen niederen, aber schnee-
bedeckten Paß das Yang tse-Tal, weil steile Felsen auf dieser Seite den Weiter-
marsch dem Flusse entlang erschwerten. Nördlich der ersten Bergkette zog
sich parallel mit dem Flußtal schnurgerade eine Längsfurche zwischen Schnee-
gipfeln hin. In dieser lag kahl und unwirtlich ein hoher Paß. Nur ein 5 m im
Geviert messendes, mauerartiges Obo, das einige Steinplatten mit eingemeißelten
Gebeten, dazu ein paar Yakschädel als Krönung trug, erinnerte daran, daß
schon vor mir andere Menschen an diesem frostigen und windigen Ort hatten
Lager schlagen müssen.
Von diesem Passe stieg ich in das breite Quertal des Flusses „Tschü mar"
(Rotwasser) hinab, der meine gerade gestreckte riesige Längsfurche in einem
tiefen Graben durchbrochen hatte. Eine geraume Weile mußte ich in einer
eisigen Wetterwolke mit hagelähnlichem Inhalt weiterreiten. Wie in einer
Tarnkappe drang ich bei dem augenblendenden Sturmwind vorwärts und kam
so fast bis in die Mitte einer ungeheuren Herde wilder Yak. So rasch, wie das
Hagelwetter hereingebrochen war, so rasch war es auch wieder vorüber. Ich
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