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0066 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 66 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000264
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baren Hochland unseren Hunger stillen? Sie hatten ja von sich aus eine Last
Lebensmittel weniger mitgenommen, als ich ursprünglich festgesetzt hatte.
„Ming t'ien dsai k'an" (Wir wollen morgen weiter sehen), war alles, was
ich hörte, dann zog sich jeder unter seine Decke zurück. Anderthalb Tage
blieben wir hier sitzen, so lange fiel immer wieder weißer, nasser Schnee auf
uns und hüllte uns ein.
Am 20. September mittags marschierten wir endlich das flach ansteigende
Tal weiter hinauf. Zum Glück war mittlerweile der Schnee gefroren, und wir
brachen nicht bei jedem Schritte ein. Ein paar Stunden Marsch brachten uns
auf eine Höhe von 5030 m; von dort aus bot sich mir eines der schönsten Alpen-
panoramen, das ich je in Tibet sah. In der klarsten tibetischen Höhenluft lag,
unendlich weit nach West und Ost sich hinziehend, ein mächtiger Gebirgswall
vor mir, in dem sich e i n riesiger Schneedom an den anderen reihte, in strahlen-
stem Firnenglanz schimmernde Gipfel, die zwischen 6000 und 7000 m absoluter
Höhe haben und von denen sich heute kleine Gletscher bis wenig über 5200 m
Höhe herabschieben (Tafel X).
Vor ihnen im Süden, wo ich stand, war eine etwa 10 km breite Fläche, die
sich namentlich sehr weit gegen Westen hin ausdehnte. Es war ein mit Ge-
schieben, mit Moränenschutt, mit Sand und erratischen Blöcken ausgefülltes
Längstal. Die nur erst mäßig verwitterten und nur in geringem Grade von
den Bächen abgetragenen Moränen streckten in südlicher Richtung deutlich
erkennbare Zungen bis zu 4700 m hinab. Dicht vor dem Ende der Eismassen
aber, die noch jetzt an den Gipfeln klebten, waren die jüngsten Moränenwälle
zu dicken Wülsten aufgetürmt. Nach einem raschen und ausgiebigen Rückzug
waren dort, in 5200 m Höhe, die Gletscher wieder zu einem anhaltenderen
Stillstand gekommen.
Es war ein kritischer Moment dort droben beim Anblick dieser großartigen
Natur. Wie unartige Kinder drängten meine Begleiter vorwärts. Ich hatte
ihnen gesagt, daß im Norden die Behausungen der friedlichen Mongolen liegen,
nun versperrte eine Schnee- und Eisbarriere den Weg und zeigte nirgends —
wie ich doch nach meinen Karten versprochen hatte — eine passierbare Lücke.
Schon wollten sie mir mit den elenden, halbverhungerten Yak, denen wir weit
über ihre Kräfte gehende Lasten aufgeladen hatten, einfach die nächsten
Gletscher stürmen. Es kostete mich einen harten Kampf, bis ich meine Chinesen
wieder zur Vernunft gebracht hatte. Ich pries mich glücklich, als ich endlich
mit meinem Häuflein in östlicher Richtung dem vor mir liegenden Marco-Polo-
Gebirge entlang weitermarschierte. Auf den letzten Märschen vor dem Über-
fall hatte ich das Ostende der Schneegipfelreihe gesehen. Es galt nun, dieses
zu finden, um von dort aus nach Ts'aidam zu kommen.
Kein Würzelchen zum Feuermachen, kein Hälmchen zum Fressen für meine
Tiere, aber Schnee gab es auch an diesem Abend. Die Temperatur ging in der
Nacht bis auf — 6° und in der folgenden bis auf — 9° zurück.
Drei lange Tage marschierten wir über die schwach gewellte Moränenfläche,
stolperten wir über die durch den Spaltenfrost spitz gewordenen Steintrümmer.
Bald wateten wir durch Sumpf, bald brachen wir bei jedem Schritt durch Eis-
krusten und liefen uns die Sohlen auf dünnen und scharfen Schneeschollen wund.
Immer noch wollte sich keine Lücke in der Firnkette zeigen (Tafel XI). Immer
wieder — alle paar hundert Schritte — blieben wir, nach Atem ringend, liegen
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