National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF Graphics   Japanese English
0103 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 103 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000264
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

nichts übrig, als die ihnen auferlegte Buße auf mich zu nehmen. In Dulan se
hatten die beiden Dolmetscher auch noch einem Pen sa- d. i. Boraxgräber, der,
von Kurluk kommend, gleichfalls ohne Paß war, einen Eselhengst abverlangt¹).
Der arme Teufel besaß nichts anderes, was gleich gut mitzunehmen gewesen
wäre. Unter den Tieren, die sie sonst noch mitschleppten, entdeckte ich auch
einen alten Bekannten, es war das Spatpferd, das ich von Dalan Turgan her
geritten. Wem sie dieses entführt hatten, der konnte ihnen freilich nur dankbar
sein. Es war eine stattliche, aber sonderbar zusammengesetzte Kavalkade, mit
der ich Dulan se verließ.

Zuerst folgte man einige Stunden lang dem Tal des Dulan-Fußes weiter auf-
wärts, dann ging es über einen flachen, aber immerhin 3615 m hohen Paß nach
der Tala-Depression hinüber. Ohne Ende streckte sich die breite, baumlose,
gelblichgrüne Tala-Fläche nach Osten. Grashügel bildeten ihren Nordrand,
in ihrem Süden aber türmte sich eine schneebedeckte Bergmauer mit wilden
Zacken von gewaltigen Ausmessungen auf. Dazwischen stach als ein kleines,
türkisenblaues Auge der Salzsee Dábassu nor heraus. Nach meinen Berech-
nungen muß dieser See rund 120 qkm Fläche bedecken, er verschwand aber
in dem Riesental, wo nirgends ein Baum, ein Wald, ein Haus dem Auge einen
festen Punkt bot, als wäre er nur ein klares, hübsches Tümpelchen. Das Tala-
Tal ist am Dábassu bereits 40 km breit. Von der wahren Größe des Tales konnte
man sich jedoch bei der lachenden Klarheit der winterlichen Luft und dem
gänzlichen Mangel an Vergleichsobjekten gar keinen Begriff machen. Der
Dábassu-See bildet die hauptsächlichste Salzquelle für das ganze Hsi ningsche
Grenzgebiet. Ein breiter, weißer Kochsalzsaum faßt sein Ufer ein und schnee-
weiße Schollen schaukeln auf seiner windgepeitschten Mitte. Am Nordufer
steht neben einer Quelle eine alte mongolische Befestigung. An seiner Ost-
seite sitzen heute die Duchu-Tibeter in 2 Gemeinden, Duchu goma und Duchu
chima, mit 140 Familien in Zelten; sie grenzen weiter im Osten an die
Tschebts'a.

Mit der Dunkelheit ritten wir in einem Yurtendorf ein, wo die Meute uns
fast von den Pferden riß. Wir hatten die kleine Gemeinde des Hartschiu (Khara-
tschüt) Dsassak erreicht, bei der die beiden Dolmetscher ihre Ula und ihre
Führer wechseln mußten. Da ich mit den zwei Tung sche zusammen reiste,
so wurde ich, ohne ein Wort zu verlieren, in der Yurte eines Mongolen als Gast
aufgenommen. Gegen ein geringes Entgelt wurden meine Pferde von den Frauen
auf die Gemeindeweide geführt, auch wurde mir Fleisch und Mehl verkauft.
Wenn man von der Bauart der Zelte absah, glaubte man, bei Tibetern zu sein.
Die Kleidung, der Gesichtsschnitt, Sitten und Bewaffnung waren die der Fan tse.

Die Hartschiu sind heute nur ein sehr kleiner Stamm. Zwischen der Familie
des Dsassak der Hartschiu und der der Wang ka bestehen innige Beziehungen.
Vor einigen Generationen hatten die Hartschiu — sie sind auch Nachkommen
Guschri Khans — den Wang ka mit einem Sohn und Stammhalter ausgeholfen,
als die Wang ka mit ihren Erstgeborenen wohl die Mina fo-Sitze im Tempel