National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Meine Tibetreise : vol.2 |
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sei, daß die Herden heimgekommen seien und wir ja nun das Maultier nicht
mehr hergeben könnten, ohne uns zu versündigen. Notgedrungen war also
meine Karawane in Tombu mda festgehalten. Als die Dämmerung hereinbrach,
fand nun auch niemand etwas dabei, daß wir die Zelte aufschlugen. Die Nach-
barn und der Wirt brachten gerne noch mehr Futterstroh. Ihre Frauen und
Töchter halfen beim Kochen und Essen des Abendbrots und blieben noch lange
beim flackernden Feuerschein schäkernd und singend bei uns im Freien.
In der Nacht trat starker, nasser Schneefall ein. Deshalb schliefen wir alle
im Inneren der Zelte und hatten als Wachen nur die Hunde draußen. Wenig
nach Mitternacht war es, als diese unmittelbar vor meinem Zelt anschlugen.
Auch meine heisere alte „Tschi mo" war dabei, die nur mitheulte, wenn etwas
wirklich Störendes in der Nähe war. Wir alle rannten darum auf ihre halb-
erstickte Stimme hin mit Gewehren und blanken Klingen in die kalte Nacht
hinaus. Zu sehen war niemand. Im Schnee aber fanden sich Fußspuren, die
von einer frisch ausgebrochenen Bresche in der Außenmauer der Talseite
geradeswegs zu meinen Pferden und wieder zurückliefen. Fleischstücke lagen
herum, die den Hunden zugedacht waren, und neben der eingerissenen Mauer
hoben wir einen Pelzmantel auf, in den sich mein schwarzer „Néh'ere" verbissen
hatte. Vor der Mauer draußen waren noch mehr Fußspuren zu sehen, die weiter-
hin an der Außenseite des Dorfes entlang führten.
In der Frühe, als wir aufbrachen, deckte Neuschnee alle nächtlichen Tritte
und unsere Wirte waren so willig wie am Tage zuvor. Das Maultier wurde seinem
Käufer verabfolgt, nachdem ich mir, der Landessitte folgend, noch ein paar
Haare aus seiner Mähne gerauft hatte, dann halfen alle Nachbarn mit ihren
Frauen beim Aufbinden der Lasten, und nach herzlichem Abschied, unter den
fröhlichsten Abschiedsgrüßen der Frauen und ledigen Mädchen ging es in die
Dorfgasse hinaus, an der Hausburg vorbei und die südliche der zwei Schluchten
hinauf, über deren Vereinigungsstelle sich das Dorf Tombu mda mit seinen
sechzig Familien aufgebaut hat. Eine halbe Stunde waren wir etwa marschiert,
als wir im Wald zwei junge Männer trafen, die den Tung sche erwarteten und
baten, er möchte uns doch veranlassen, den Pelzmantel zurückzugeben. Sie
versprachen ihm dafür eine Vermittlungsrupie; ich erfuhr dadurch zum ersten
Male, daß die Trophäe von meinen Dunganen zu ihren Sachen gepackt und mit-
genommen worden war. Die beiden Leute machten Augen wie echte Spitz-
buben und hatten die Frechheit, mit brennender Lunte zu uns zu kommen.
Sie logen uns vor, die Diebe seien junge Männer aus der Nachbarschaft gewesen,
die nur Spaß machen und uns erschrecken wollten.
Tombu mda liegt nach meinen Beobachtungen in 3805 m Höhe (Dutreuil
de Rhins-Grenard: 3934 m), wenige Kilometer südlich steigt aber der Weg
wieder bis auf 4535 m (Dutreuil-Grenard erreichten dort sogar einen Paß von
5000 m). Während unseres Weitermarsches hatte sich der Himmel nach den
morgendlichen Sonnenstrahlen wieder überzogen; der herrschende West
der großen Höhen konnte die östliche Unterströmung nicht mehr meistern, so
daß wir schon vor dem ersten der zwei Pässe, die nach Dscherku ndo hinüber-
führen, in ein dichtes Nebelmeer gelangten, in dem man sich nur mit Mühe
zurechtfinden konnte. Dazu lag beinahe einen Fuß tief Schnee, der alle die
Naka- und Nadung-Löcher und -Tümpel des Berges verdeckte und uns aufs
äußerste erschöpfte. Unausgesetzt stürzten die Packtiere, mußten hochgezogen
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