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0198 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 198 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000264
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hieran sogleich die Bitte an, ihn aus meinen Diensten zu entlassen. Er könne
nicht mehr weiter mit mir gehen, meinte er.
„Ich habe meinen Auftrag erledigt; ich war bei Naṅ tsien dyalbo."
„Und was hast du beim König erreicht?"
„Der König und seine Leute haben uns schlecht und erniedrigend behandelt.
Sie haben uns verflucht, weil wir dich, einen Fremden, in ihr Land bringen.
Sie führten uns in ein großes und leeres Haus. In diesem hätten wir alle mit
dir wohnen sollen. Vier Diener waren für dich, Herr, bestimmt, um dir beim
Empfang jeden Wunsch an den Augen abzulesen. Man wollte dich köstlich
bewirten; Reis, Zucker, Wein und Bier war bereitgestellt. Nicht fern von den
Häusern des Königs aber sah ich in Tuchzelten fünfhundert Soldaten warten.
Neben ihnen lagen Berge von Reisig. Wäre ich nicht vorausgeschickt worden,
sie hätten uns alle in das leere und abseits stehende Haus eingeladen. Nach
einem Gastmahl hätten in der ersten Nacht die fünfhundert Mann die Reisig-
bündel hoch um das Haus geschichtet, hätten sie dann angezündet, und wer
durch einen kühnen Sprung dem Feuertod hätte entrinnen wollen, der wäre
von den Kugeln und Lanzen der fünfhundert rings um das Haus aufgestellten
Soldaten getötet worden."
„Du bist wohl ein Weib, daß du durch solche Ammenmärchen dich ein-
schüchtern läßt," gab ich dem Tung sche zurück. „Du warst vom Schnaps
des Königs berauscht und hast diese Geschichten und Drohungen geträumt."
Doch der Tung sche wich von seiner Erzählung kein Tüpfelchen ab, und ehe
er sich noch weiter ausspinnen konnte, ging die Türe auf und alle anderen Leute
drängten in mein Stübchen. Zu sechsen warfen sie sich vor mir auf die Knie,
machten Ko tou nach Ko tou und flehten mich an, nach Hsi ning fu umzu-
kehren. „Wir kannten nicht die Schlechtigkeit der Fan tse," riefen sie unisono.
„Wir gehen keinen Schritt weiter mit dir; denn weiterzugehen heißt nur ‚diu
ming', das Leben verlieren." Sie kannten bereits alle Drohungen des Fan tse-
Königs und waren vollkommen verzagt. Ich war überzeugt, daß an der Er-
zählung des Tung sche kein wahres Wort war und daß er ein abgekartetes Spiel
mit mir trieb. Ich überlegte hin und her, wie ich meine Diener für mich ge-
winnen könnte. Ich überschlug meine Reisekasse. Ohne mich wichtiger Mittel
zu entblößen, konnte ich ihnen nicht noch mehr Vorschuß geben, als sie schon
hatten. Und eine andere Macht als die des Geldes gab es nicht.
Am anderen Morgen kam in aller Frühe „Sechsunddreißig" zu mir ge-
laufen und kündigte die Ankunft eines Naṅ tsien Be hu an. Gefolgt von
zwei Bewaffneten trat ein üppig gekleideter und stolz um sich blickender Fan
tse bei mir ein, dessen Züge durch eine auffallend schmale und feine Nase
sowie durch eine ruhige Vornehmheit sehr anziehend wirkten. Er trug sein
breites Schwert in einer reich mit Gold und Edelsteinen verzierten Scheide in
der Hand, wie es die Etikette gebietet, und hatte auf dem Kopf einen runden,
fußhohen Staatshut, der von einem großen Kristallknopf gekrönt war, von dem
aus ein Wald von feuerroten Seidenschnüren nach allen Seiten herabflutete,
so daß er mich an einen Tambourmajor unserer Garde erinnerte. Die roten
Schnüre stießen unten auf eine gelbe Krempe, die in Tellerform vom Kopfe
abstand. Der Träger dieser vornehmen Kopfbedeckung wurde mir als einer
der vier Adligen vorgestellt, die als nächste Berater oder Pfalzgrafen um die
Person des Königs sind. Er war auf Befehl seines Herrn hinter Tschang Tung
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