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0207 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 207 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000264
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27. März. Wir folgten der steil eingegrabenen Schlucht von Ka ts'a weiter
hinab. Am Bachrand klebte nur noch ein schmaler Streifen Wintereis. Palm-
kätzchen waren aufgeblüht und die Knospen in den Laubwaldungen, die die
Steilhänge überzogen, hatten zu schwellen begonnen. Der Vorfrühling war hier
eingekehrt. Das Nachtminimum zeigte zwar noch — 5° und darunter, aber bei
Tage stiegen die Thermometer auf ebensoviele Grade über Null. Auf den schmalen
Ackerstreifen tiefer unter im Tal pflügten die Ehepaare; widerwillig zogen zwei
Yakochsen die schweren, klotzigen Hakenpflüge unter den wuchtigen Schlägen
der jungen kräftigen Ehefrauen.

Nachdem wir an einigen Dörfchen und einem kleinen Kloster vorbei-
gekommen waren, standen wir wieder am Yang tse kiang. Das Tal war nun noch
viel steiler eingeschnitten, als ich es oben in Lamda und Tombu mda gesehen
hatte. Es war hier zum tiefen unzugänglichen Felsriß geworden, in dem sich
zwischen braunen nackten Felsrippen ein grünblaues Fädchen durchwand. Die
klaren Fluten waren völlig eisfrei, nur da und dort entdeckte das Auge in der
Tiefe des Tales ein weißes Flöckchen, wo die Wasser sich an Klippen brachen
und über Blöcke stürzten. Von der steilen Höhe herab nahm sich der Strom,
der hier schon über 700 km hinter sich hat, recht unscheinbar aus (Tafel XXXI).
Man schien ihm bis ins Herz hinein sehen zu können. Hoch über dem der-
zeitigen Wasserstand waren die Marken der Sommeranschwellung. Das Volumen
ist dann hier viermal so groß als jetzt im ersten Frühling; wohl schmilzt der
Winterschnee, aber dieser ist so geringfügig, daß er auf den Wasserstand
keinerlei Einfluß ausübt. Ende März hatten zwar die Westwinde an Stärke
abgenommen, aber sie herrschten noch immer vor und der Südostmonsun hatte
noch nicht eingesetzt.

28. März. Wir brachten die Nacht in unseren Zelten zu, die wir neben einem
Dorfe aufgestellt hatten. Die Bewohner, an Durchreisende gewöhnt, nahmen
uns nicht näher in Augenschein und hatten darum nichts an mir auszusetzen.
Sie verlangten eine Viertelrupie für die Benutzung des Lagerplatzes, für trockenen
Argol und für einen Riesenhaufen Stroh, den meine Tiere in der Nacht mit
Stumpf und Stiel auffraßen. Da in Dergi wie im Naṅ tsien zwar immer nur
gemünztes Geld angenommen wird, Kleingeld aber gänzlich fehlt, so wird zum
Bezahlen von Beträgen unter einer Rupie das Silberstück zerschnitten und man
bezahlt wörtlich eine Viertel-, eine Drittel- oder halbe Rupie.

Die Nacht war trüb und dicker, nasser Schnee deckte uns am Morgen. Als
es um acht Uhr aufklärte, packten wir rasch zusammen und erreichten nach einem
scharfen Ritt und nach ermüdendem Auf und Ab um zwei Uhr den Fährplatz
über den Yang tse kiang, der Tschomdo heißen soll und an dem die große Straße
auf das linke Ufer übersetzt. Zwei Lehmhütten stehen dort am Eingang eines
großen Seitentals; es sind die Wohnungen der Fährleute. Am Ufer selbst erhoben
sich Mauern von anderthalb Manneshöhen und vier und fünf Fuß Dicke. Jeder
einzelne Quaderstein dieser Mauern war eine halbe Yaklast chinesischen Tees,
der, in rohe schwarze Yakhäute gepreßt und genäht, auf die Weiterreise nach
Zentraltibet wartete. Achthundert Ochsen sollten die nächsten Tage kommen
und sie auf dem Wege, den ich soeben herabgekommen war, ins Innere schaffen.

Bei den Fährleuten erfuhr ich, daß dem kräftigen, 8 m breiten und 1 m im
Durchschnitt tiefen Flüßchen Tscho tschü, das bei Tschomdo mündet, eine
Straße nach Tsiamdo folgt, auf der man in acht Tagen durch das freie Fürsten-

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