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0268 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 268 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000264
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Der Dartsendo-Tee, der ohne Ausnahme aus den Bezirken der Nachbar-
präfektur Ya tschou fu stammt, kommt hier in vier Sorten vor und wird in
Bambusmatten ziemlich lose verpackt, von chinesischen Lastträgern, die geradezu
unmenschliche Lasten (bis zu 3½ Zentner) hoch aufgeschichtet auf den Schultern
tragen, hierhergeschafft. Es ist ein grober, großblätteriger, vielfach mit Stengeln
und Zweigchen vermischter Tee von rauhem Geschmack und verschwindend wenig
Aroma. Die Farbe ist braun und er sieht aus wie getrockneter und zusammen-
gedrückter Abschnitt einer Gartenhecke. Die Chinesen liefern den Tee bis ans
Osttor von Ta tsien lu. Von dort geht er vermittels der „Go tschwân" in die
Hände der aus Innertibet hergereisten Tibeter. Diese Einrichtung der „Go
tschwân" ist sehr alt. Jedes größere Kloster, jeder Bezirk im Innern, jede
Landsmannschaft, wenn man so sagen will, hat ein bestimmtes Absteigequartier,
hat seinen „Go tschwân" (tibet.: dyabtak), der den „Hsiê kia" in Dankar ent-
spricht. Während aber in dem chinesifizierten Dankar ting Chinesen und
Mohammedaner sich in dieses Amt teilen und heute auch längst nicht mehr
jeder Stamm sein bestimmtes Absteigequartier (hsiê) hat, ist in dem noch über-
wiegend tibetischen, d. h. also feudalen Dartsendo das Go tschwân-Halten eine
Gerechtsame, die der König vergibt und die er nur an ganz bestimmte Personen
und Familien, d. h. an alte Adelsgeschlechter, wie ein Lehen überträgt. Die
Inhaber werden „Adya" genannt. Es sind 48, ebenso viele wie Vogteien oder
Tu be fu-Ämter in ganz Dschagla. Die Familien, die diese Gerechtsame haben,
halten eine Karawanserei (Go tschwân), die die Tsung bon oder Tscham tsod
aus dem Inneren mit allen ihren Tieren aufnehmen können und wo ihnen Futter
und Lebensmittel besorgt werden. Der Adya hat einen Tung sche, der mit den
Gästen zu den chinesischen Kaufleuten geht. Der Händler aus dem Inneren
kann sich wohl die chinesischen Kaufleute und Teehändler aussuchen, mit denen
er Geschäfte machen will, er kann aber keinen Handel ohne den Adya bzw.
dessen Tung sche abschließen. Das Haus des Adya bürgt beiden Teilen. Er
ist die Mittelsperson, ähnlich dem Komprador der europäischen Kaufleute an
der chinesischen Küste. Er erhält dafür einen bestimmten Steuersatz aus-
bezahlt. Der Go tschwân läßt den gekauften Tee aus dem Likin-Amt holen
und akkordiert mit dem Obermann der Lederarbeiter, der mit zwölf bis zwanzig
Gehilfen die Bestellung des tibetischen Kaufmanns in rohe Yakhäute preßt
und näht, um dadurch den Tee so hart wie Ziegel zu machen und ihn gegen
die mancherlei Unbilden zu schützen, die ihm auf der großen Reise durch die
Unart der widerborstigen Yakriinder und durch Regen, Schnee und Flußfurten
begegnen. Eine Yaklast von 80 cätties kostet in Ta tsien lu 25—30 Rs. je nach
der Güte des Tees und besteht aus 2 Halblasten zu je 16 Ziegeln, so daß also
ein Ziegel 2,5 cätties wiegt und etwa 1 Rupie kostet. In Dscherku ndoh kostet
derselbe Ziegel je nach der Güte 2,2 bis 2,5 oder 3 Rs., wobei noch zu be-
achten ist, daß die Rupie dort 0,4 Tael stand, während gleichzeitig die Rupie
in Ta tsien lu nur einen Wert von 0,32 Tael d. h. fast nur den Silberwert hatte.
Nur auf den ersten Blick ist es erstaunlich, daß nicht bloß K'am
(Vordertibet), sondern auch Wu oder dBus mit Lhasa (Mitteltibet) und Tsang
mit Schigatse (chines.: Hinter- oder Hou-Tsang), ja die fernen westlichen
Provinzen, wie Rudok und Ladak, kommerziell und insbesondere mit ihrem
Teebedürfnis an Se tschuan und nicht an Indien angeschlossen sind. Der Grund
liegt nicht bloß in der gemeinsamen Rasse und Abstammung und am Geschmack
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