National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0336 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
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einem der Mönche ein kleines Geschenk gegeben hatte, wurden wir durch das
niedere Tor ins Innere gelassen und fanden in dem baufälligen Abtshaus den
bTschang dsod, den Verwalter (s. Bd. I, S. 216, Anm. 2). Wir trugen ihm unsere
Lage vor und übergaben ihm den Paß und das Empfehlungsschreiben des
Pan da lama, das ich zum Glück bei mir in der Tasche trug und nicht in einem
meiner Koffer verpackt hatte. Der bTschang dsod war ein großgewachsener
Mann mit einem hübschen geschwungenen Schnurrbart. Er nahm die Sache
sehr leicht und erklärte stolz: „Wir von Merge sind keine Straßenräuber wie
die Leute aus Ngaba. Wir sind alle des Sung pan ting gehorsame Kinder."
Wenn die Angreifer Merge-Klosterleute seien, so würde ich noch am Abend
mein Hab und Gut wiedersehen. Freilich gebe es auch noch einen Laien-
vogt im Tale, dessen Leute nicht auf die Befehle des Klosters hörten, sondern
zu den Bo lo tse hielten.
Nach kurzem Besinnen gab uns der Verwalter einen Reiter mit, in dessen
Begleitung wir wieder die zwei Stunden das Tal hinabritten. Der Mann, der
als Abzeichen seines Auftrags einen schäbigen roten Roßhaarbusch in der Hand
trug, war guter Dinge auf dem ganzen Weg. Er freute sich schon über das
bevorstehende Trinkgeld. Unten im Tale spielen sie gerne Räuber, meinte er.
Oben ums Kloster herum säßen dagegen lauter brave und gediegene Hausväter.
Ein paar Schritte von dem Gehölz an der Brücke, wo wir überfallen worden
waren, steht das Darro-Haus von Unter-Merge. Als wir so weit gekommen
waren, machte unser Begleiter schon ein bedenklicheres Gesicht. Er hielt es
nun für besser, vorerst allein zu verhandeln, und brachte uns für die Warte-
zeit in das Darro-Haus, das abgesehen von einem alten Sklaven, dem das
halbe Ohr abgeschnitten war, unbewohnt war. Er selbst ging über die Brücke
hinüber zu jenem Hof, in dem das Räuberquartier lag.
Bis zur Rückkehr unseres Parlamentärs war es längst Nacht geworden,
und ich und Brdyal hatten es uns im ersten Stock, in einem großen Saale, in
dessen Mitte ein Kupferkessel auf einem schweren schmiedeisernen Dreifuß
stand, bequem gemacht. Eine Kurme, eine Haussklavin, gab uns Tee
und Tsamba und zündete uns ein Holzfeuer an, das den Raum etwas erleuchtete.
Bei Tage war dieser Küchensaal in Halbdunkel gehüllt, da er nur drei Fenster
nicht viel größer als Schießscharten besaß. Bei Nacht ließen diese Öffnungen
nur zögernd den Rauch entweichen, für den es keinen anderen Abzug gab.
Es mochte neun Uhr geworden sein, als unser Vermittler mit dem Sklaven
des Darro und mit zwei älteren Männern in unseren Saal trat. Nur wenn man
auf dem Boden hockte, konnte man den dicken Qualm durchdringen und die
Menschen auf eine gewisse Entfernung erkennen. Die vier Ankömmlinge ließen
sich deshalb, kaum daß sie uns kurz begrüßt hatten, rasch am Feuer nieder. Sie
zogen das Schwert aus ihrem Gürtel, um bequemer sitzen zu können, und legten
es neben sich auf den Boden, suchten behäbig in den Falten ihrer fettigen Röcke
nach ihrer Schüssel, ließen sich Zeit, Tee zu schlürfen und Tsamba zu kneten.
Dann suchte man umständlich in den Kleiderfalten eine lange eiserne Pfeife,
nahm seinen Tabak aus dem gestickten Beutel, griff nach einem Stückchen Dung,
um seine winzige Prise zu entzünden, tat ein paar Züge, klopfte die Prise am
Stiefel wieder aus, stopfte nochmals und — — endlich kam man aufs Sprechen
und zwar auf Kretschiu-, dann auf Bo lo tse-, endlich auf Kin tschuan-Art.
Chinesisch sprach keiner. Hochtibetisch sprach nur der Klostermann und
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