National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0343 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 343 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000264
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

Rückkehr in Sung pan ting 100 Tael bezahlen. Leider war es mir unmöglich,
schon im voraus durch Geschenke die Willigkeit der Chinesen zu vergrößern.
Als ich meine müden Rößlein durch das Stadttor von Sung pan zog, hatte ich
nur noch wenige Silberbrocken in der Tasche. Es war schon deshalb die höchste
Zeit, daß ich wieder in den Besitz meiner Kisten kam. Wenn sie erbrochen
und ihr Inhalt verteilt waren, stand es schlimm um mich, denn auf Kredit war
hier wenig zu hoffen.

Die Vorbereitungen für den kleinen Kriegszug hatten die Chinesen rasch
getroffen. Am Abend des 27. Juli sammelte sich die kleine Schar bereits hinter
dem ersten Berg neben der Mühle von Mao niu gu. Dort wurden drei Zelte
aufgestellt. Das kleinste, aber beste und schönste bezog Ma san ye, ein sieben-
undsechzigjähriger mohammedanischer Kaufmann, der in Merge seit Jahrzehnten
Handel trieb und landab und -auf bekannt war. Er kam mit einem Neffen
und einem jungen Pferdeburschen. Er war als Unterhändler bestellt. Das zweite
Zelt beherbergte die vier Ma tui, die Reiter einer mohammedanischen Leibwache
des Ting, unter dem Kommando ihres Sche tschang, Korporals oder Anführers
von Zehn, eines fünfundvierzigjährigen, in Tibet bankrott gewordenen Kauf-
manns. Sie trugen scharlachrote Röcke mit breiten Frackschößen an den
Seiten, so daß man schon auf weite Entfernungen sehen konnte: holla, hier
kommen Reiter des Sung pan ting!

Im größten Zelte schlief der Tsung ye mit seinen zehn Mann. Es waren
zwar tatsächlich nur neun Mann. Man sprach aber immer von den „Zehn".
Von diesen waren vier mit alten Hotchkiß-Gewehren bewaffnet, wovon doch
immerhin zwei in so gutem Stand waren, daß man damit schießen konnte.
Die übrigen Infanteristen trugen in dem blauen Kalikofutteral ihres Parapluies
ein kurzes Römerschwert. Die Ma tui hatten drei verrostete Henry-Martini-
Gewehre, aus denen man mit Hilfe des Putzstocks die Patronenhülsen nach
einer Weile herausbrachte. Da ich selbst kein Zelt hatte, fand ich für Geld
und gute Worte ein Unterkommen bei den Ma tui. In der ersten Nacht goß es
mit Kübeln vom Himmel und einmal gab's ein großes Gezeter; der Wind hatte
das Zelt der Fußmilizen gepackt und über den Köpfen der Schlafenden in
Fetzen zerrissen.

Am 28. erstiegen wir geschlossen den großen Karlong-Berg, auf dem wir
auch die Nacht vom 28. auf den 29. verbrachten. Am 29. ging es durch das Dorf
Karlong hindurch und noch mehrere Kilometer das Tal hinauf. Meine Soldaten
hatten für den Transport ihrer Zelte, Gewehre und Lebensbedürfnisse eine
Ula in Gestalt von zwei Yakbastarden, die ihnen die Bewohner von Mao niu gu
stellen mußten. In Karlong sollte die Ula wechseln. Aber den Karlong-Tibetern
fiel es nicht ein, sofort den Weitertransport des zwei Zentner schweren Soldaten-
gepäcks zu besorgen. Sie führten recht aufsässige Reden und erklärten kühn:
„Das Wasser im Fluß dürft ihr nicht trinken, aus unseren Wäldern sollt ihr
kein Holz nehmen, unser Gras brauchen eure Tiere nicht zu fressen und vollends
Ula stellen wir schon gar nicht." Die Soldaten verstanden aber keinen Spaß
und verprügelten kurzerhand den Sprecher, der ihnen dies gesagt hatte, woraus
sodann eine allgemeine Schlägerei entstand, so daß ich ernstlich für den Ausgang
des ganzen Unternehmens bangte. Denn würde sich Karlong mit Merge vereinigen,
wie sollten dann meine paar Männeken die geraubten Sachen herausbekommen?
Zum Glück gelang es, mit Hilfe des alten Ma san die Mao niu gu-Leute gegen

267