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0349 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 349 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000264
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wohl noch die Tibeter überführen können, daß gar kein Verwundeter vorhanden
war, und hätte kein Lösegeld zahlen müssen. Wir hatten aber nur für ganz
wenige Lebensmittel bei uns und keine Chinesen besaßen natürlich ebensowenig
Geld wie ich. Es mußte also so rasch wie möglich zu einer Entscheidung
kommen.

Wir schlugen an diesem Abend auf einer Waldwiese oberhalb des Klosters
Merge das Lager auf. Ich kaufte für die Soldaten eine fette Yakkuh, was sie
in die beste Stimmung brachte. Ma san ye war wegen angeblich dringender
Angelegenheiten noch im Kloster geblieben und hatte auch seinen Neffen als
Geschäftsführer noch dort zurückbehalten. Mit ihm kam anderen Tags noch
einmal der Häuptling vom Koser-Tal, der mit der Erledigung der Angelegenheit
nicht zufrieden war, weil er selbst dabei leer ausgegangen war. Hatte
er zwölf Stunden vorher noch vom Darro als von seinem besten Freunde
gesprochen, so warf er diesem jetzt schnödeste Gewinnsucht vor. Anstatt 10
hätte er 20 meiner Tael „gegessen" und das Schmerzensgeld der Verwundeten
sollte er auch noch für sich beansprucht haben. (Weil natürlich gar niemand
verwundet war!)

Auf dem weiteren Rückweg gerieten sich die Ma tui, Ma san ye und der
Tsung ye noch in die Haare. Die Ma tui hatten einen Anteil an der Summe,
die für das „kai kou" bezahlt war, der Tsung ye aber war leer ausgegangen,
weil er kein Tibetisch konnte. Ma san ye, der seit einem Menschenalter Geschäfte
mit Merge machte und im Kloster eine große Teeniederlage besaß, hatte für die
versammelten Heerscharen der Tibeter den Tee und teilweise auch den Schnaps
geliefert. An den 30 Tael, die dafür gezahlt wurden, sollte er nach Angabe
des Tsung ye die Hälfte Reinverdienst haben. Diese 15 Tael wollten die Ma tui
und der Tsung ye unter sich verteilen. Der Streit darüber entbrannte auch
noch am nächsten Tage so heftig, daß ich mich höchlichst amüsierte und der
ganze lange Rückmarsch vom volkspsychologischen Standpunkte aus sehr
instruktiv wurde.

Beim Morgengrauen unseres letzten Tagesmarsches führte meine Eskorte noch
ein unschuldiges Scharmützel auf. Ma san ye saß mit mir vor dem Kochtopf
und rauchte sein Pfeifchen. Meine Angestellten beluden die Tiere, als wir
unsere vier Ma tui, die vorausgeritten waren, in ihren knallroten Fräcken
zurückgaloppieren sahen. Gleichzeitig ertönte ein Schuß. Jetzt rissen auch
die Ma tui ihre Gewehre von der Schulter und schossen vom Sattel aus,
dann schwenkten sie nach rechts ein und verschwanden hinter dem Kamm.
Wir hörten noch einige Schüsse; aber keine Sekunde lang unterbrach mein
Begleiter seine Rede und gemächlich setzte er sich mit mir in Bewegung,
als wir aufgepackt hatten. In diesem Augenblick ließ der Tsung ye melden,
sie hätten eine zehnköpfige Räuberbande, an ihren spitzen Mützen als Bo lo tse
kenntlich, ¹angerufen und als sie auf den Anruf nicht hielten, angegriffen und
in einen Wald gejagt.

Nicht so harmlos verlief ein Abenteuer, das an derselben Stelle Ma san ye's
Sohn ein Jahr vor uns mit zwei tibetischen Dienern bestand. Er war auf dem
Heimweg nach Sung pan ting und hatte eine Yakkarawane mit sich, die seine
im ngGolokh-Lande eingetauschte Wolle, seinen Be mu und Moschus trug.
Vier Ngaba-Räuber fielen über sie her. Ein Diener wurde erschossen, der andere
konnte entfliehen. Der Sohn wurde total ausgeplündert und ausgezogen mit

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