National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0363 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
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führen. Die Häuser sind ganz nieder, so daß ich oft nicht aufrecht stehen konnte.
Die Wände sind aus Reisig geflochten, mit Erde beworfen und alle Ritzen von
zarter Frauenhand mit Kuhdung bestrichen. Die Dächer sind flach und aus
Lehm und Sand. Nur selten entdeckt man an einem Gebäude eine Fensterluke.
Der Rauchabzug im flachen Dach — vielfach durch einen kleinen Aufbau vor
dem Eindringen des Regens geschützt — muß auch wie im Zelt als Lichtschacht
dienen. Wohl sind im Inneren sogar Abteilungen und Ställe für Zickchen und
Kälber vorgesehen, aber alles ist eng und muffig und voll von Pilzen und
Schwämmen; es sind die schlimmsten Wohnhäuser, die man sich ausdenken mag.
Das Dorf war völlig ausgestorben; in den Sommermonaten hält sich kein
Hüter darin auf. Wir kochten unseren Mittagstee im offenen Binnenhof. Obwohl
es stark regnete, mochte niemand in den Häusern sitzen. In ihrem Inneren fand
sich kein trockenes Plätzchen. Die Tschang la-Leute rissen das trockenste Holz,
das sie finden konnten, von den Wänden und demolierten dadurch mehrere Ge-
bäude. „Die Bân yü sind Räuber. Warum soll ich nicht nehmen, was keiner
hütet," bekam ich als Antwort auf meinen Einspruch. Als wir weiterritten,
schleppten sie noch zwei Zentner Holzwände für die nächsten Lager mit. „Weiter
unten gibt es kein Holz mehr und Dung brennt nicht bei dem nassen Wetter."
4 km ostwärts von den Bân yü-Winterhäusern (3540 m) lugen verstohlen
über einen ganz flachen Paß, den ich allerhöchstens 80—100 m höher als die
Häuser schätzte, schwarze Fichtenhochstämme. Über den Paß gelangt man
zu den Bân yü rung, dem ackerbautreibenden Teil des Bân yü-Stammes, der
nur 15 km entfernt in einem Tale wohnt, das bereits wieder chinawärts abzieht.
Auch am Abend dieses Tages, als wir in der Dah'rgenggo-Ebene nächtigten,
konnte man einzelne Tannenwipfel weiter im Osten über einem niederen Berg-
sattel sehen. Über diesen Paß kommt man zu den Aschi rung, dem ackerbau-
treibenden Teil des Aschidi-Stammes. Die ersten Häuser sollen nur 50 Li vom
Re tschü entfernt liegen. Nach der Angabe meiner Führer münden diese Täler
unweit Kiai tschou und gehören also in das Flußgebiet des Yang tse kiang. Wie
am Gari la ist auch in diesem Bân yü-Gebiet eine charakteristische Talstufe,
die von dem tibetischen Hochplateau nach den tiefen Tälern im Osten abfällt.
Die Randflüsse knappern hier überall an einem alten Schutt, den eine andere Zeit,
ein anderes Klima abgelagert und zurückgelassen hat!
Unser Weg, die Schar ba-Karawanenstraße, war seit Sung pan ting in NNW-
Richtung gegangen, am 30. August aber bog ich entschlossen nach Südwesten
ab, als ich auch den Re tschü einen solchen Bogen beschreiben sah. Mein Tsung ye
schimpfte und wetterte bei jedem Schritt, da der gerade Weg nach der Stadt
Tao tschou weiter in nördlicher Richtung durch das Land der Hsi fan tse-Stämme
Aschidi und Sare (s wie franz.: z) führte. Doch wagte er nicht, seine Drohungen
auszuführen und mich zu verlassen.
Die Hügel wurden, je weiter flußab wir dem Re tschü folgten, immer flacher,
sie versanken in breiter und breiter werdenden, sumpfbedeckten Sandebenen,
durch die sich alle Wasserläufe in gewaltigen Serpentinen wanden. Während des
Marsches sahen wir von Süden die Mäander des Me tschü, der größer und wasser-
reicher als der Re tschü sein soll, und in den der Re tschü sich ergießt. Nahe
am Zusammenfluß liegt das Gelugba-Kloster Da ts'a gomba, zu dem vierzig
Mönche gehören. Südwärts wohnen die Doma-Tibeter, die Stifters des Klosters;
sie sind ein Stamm von rund 300 Familien. Die Bewohner scheinen in erster
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