National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0378 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
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hatte ja gedacht, der Krieg sei aus, es gehe nun rasch nach Hause. Niemand
hatte mehr Vorräte nachkommen lassen. Nirgends fanden deshalb meine Helden
eine milde Hand, die ihnen den verkauften Reis und Tsamba ersetzte. Durch die
spärlichen Vorräte war ich selbst aber leider auch in Mitleidenschaft gezogen
und gezwungen, die letzte Strecke in Eilmärschen zurückzulegen. Nach zwei
Stunden schon saßen wir wieder auf und drei Tage von früh bis spät im Sattel
brachten uns nach Tao tschou.
Über eine Hochfläche, durch breite Talmulden und über flache Pässe, wo sich
die Wasser, die nach Osten durchs Täwo kiang ts'a-Gebiet streben, von denen
scheiden, die nach Norden zum Tao ho ziehen, ging unser erster Tagesritt — und
er dauerte bis lange in die Nacht hinein. Breite Strecken O—W-streichender,
steil gefalteter graugrüner Sandsteine und Schiefer wechselten auch weiter mit
eingeklemmten Schmitzen zerdrückten weißen Karbonkalkes; darüber lagerte
an vielen Stellen eine harte, rote Nagelfluh in horizontaler Schichtung. Die
höchste Höhe erreichten wir kurz vor der Abenddämmerung in einem Passe von
3765 m. Die Bergrücken haben hier eine Durchschnittshöhe von 4000 m und
etwas mehr. Alles war gutes Weideland. Von Kosaniba und dem chinesischen
Standlager an gab's zunächst keinen Wald mehr.
Steil auf und steil ab über die Ursprungsbäche von Tao ho-Tributären hatten
wir am zweiten Tag nochmals eine Wasserscheide von 3800 m zu erklimmen.
Aber schon am Mittag traten wir in eine enge Waldschlucht ein, in das Tal des
Wong tschü, der in vielen Windungen, aber im allgemeinen in ONO-Richtung
die Gebirgsmassen durchbricht und lange Zeit fast parallel zum oberen Tao ho
fließt. Achtzehnmal hatten wir das felsige Bett des Flusses zu durchreiten,
wobei jedesmal die Unterseite der Lasten durch das Wasser schleifte.
Am ersten Tage hatten wir noch einige Dutzend Nomadenzelte zu Gesicht
bekommen, am zweiten Tage sahen wir nirgends Bewohner und begegneten nur
einem Munitions- und Proviantzug der Kan su-Truppen. Als die Begleitmann-
schaft von ferne unser ansichtig wurde, begrüßte sie uns mit einer sinnlosen,
zum Glück schlecht gezielten Gewehrsalve. Erst als wir am dritten Tage eine
Stunde unterwegs waren, trafen wir auf die oberste tibetische Siedlung, auf das
kleine Dorf Dotsa, das 2900 m hoch liegt und zur Gemeinde rDiadung gehört.
Wildhafer und etwas Gerste wurde hier im Talgrund neben niederen einstockigen
Häuschen angebaut. Die Felder in der 200 m breiten Talsohle sind zunächst
noch äußerst ärmlich und steinig. Jedes zweite Jahr müssen sie brach liegen
bleiben. Eine Stunde weiter unterhalb — das Waldtal bekam inzwischen eine
Sohlenbreite von 400—500 m — wurden die Felder besser und links und rechts
von dem breiten Wong tschü wurden Gerste und Rüben geerntet, waren Frauen-
und Männerhände emsig dabei, ihre Gerste und sogar ein bißchen Weizen auf
Yak zu verladen, in die zerstreut liegenden Höfe und in das große Dorf Merema
zu schleppen, wo die Garben ganz wie in Kin tschuan auf hohen luftigen Gerüsten
neben ihren Häusern zum Trocknen aufgeschichtet werden. Schon bei den ersten
Häusern grunzten wieder Schweine, Vertreter der kleinen spitzohriger und
blondhaarigen Hausschweinerasse, die auch alle Bauern Südosttibets züchten.
Auch hier gingen aber die Männer mit dem Schwert im Gürtel auf ihre Felder
und die Frauen trugen ähnlich wie die Nomadenfrauen ein bis ins Kreuz herab-
hängendes Rückengehänge. An ihr Schläfenhaar und die daraus geflochtenen
Zöpfchen wird links und rechts je eine zu einem festen Ring geschliffene Muschel
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