National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0385 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
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am 20. September mit fliegenden Fahnen aus dem Tibeterland heraus und saß
dabei vergnügt und stolz lächelnd auf einem Rosse, dem der lange Schweif
— in asiatischen Augen die Hauptzier eines Pferdes — mit Stumpf und Stiel
weggeschnitten war. Klein-Radang hatte in nichts nachgegeben, bis es seine
450 Tael ausgezahlt erhalten, und dann wagte es noch, oder hatte vielmehr die
Frechheit, die geraubten Pferde zum Hohne mit abgeschnittenen Mähnen und
mit blutenden Schwanzrüben abzuliefern. Die Kaufmannsgilde von Tao tschou
raste vor Wut über die feige Tat der Offiziere. „So wäre der Kriegszug besser
ganz unterblieben", murrten sie. Der Oberst blieb deshalb auch nicht lange in
der Altstadt. Auf dem Marsche sahen seine Truppen recht gut aus und boten
ein schönes Bild, obwohl immer im Gänsemarsch marschiert werden mußte. Die
Hälfte der Mannschaft war mit modernen Repetiergewehren bewaffnet, der
Rest mit alten Mausern. Von je tausend Mann waren dreihundert mit langen
Lanzen ausgestattet, an denen beim Einzug in Tao tschou riesige, dreieckige
Banner in allen Farben flatterten. Hinter jeder Abteilung ritt der dazugehörige
Offizier und gab acht, daß ihm kein Mann abhanden kam. Mußte einer aus
irgend einer Ursache zurückbleiben, so hatte er zuvor sein Gewehr abzugeben.
Der Train war erstaunlich klein und bestand aus Yakochsen, einer Ula von
Merema und Tawa. Mit großer Sorgfalt wurden in dem endlosen Zuge die großen
kupfernen Zehnmann-Kochtöpfe und die Opium- und Tabakspfeifen der Mann-
schaften, sowie die schlecht verpackten Kleinigkeiten der Offiziere durch Sol-
daten getragen. Die Mannschaften hatten außer ihren Gewehren nur ihre
wenigen Kattunkleider bei sich und gingen in Hanfsandalen, was bei den
schlechten Wegen, den vielen brückenlosen Bächen, den glatten Steinen und
dem endlosen Auf und Ab sicherlich das Beste war.
Als Reste aus der alten Mongolen- oder Tu ku hun-Zeit haben sich in den
Bezirken von Tao tschou, Min tschou und Di dao tschou bis heute eingeborene
Herrscherfamilien erhalten. Der mächtigste ist der Yang Tu se, der Fürst von
Dschoni. Er herrscht heute nur über Tibeter, über achtundvierzig Stämme,
die ihm jährlich kleine Geschenke bringen. Seine Lehensländer greifen im Süden
bis nach Se tschuan hinein. Bei der Mehrzahl seiner Untertanen hat er freilich
wenig mehr zu sagen. Sie berauben Kaufleute und führen Kriege, wann es ihnen
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