National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
|
|
Color Thumbnail -
Table of Contents -
Page Number -
Biliographic Information (Metadata) -
Caption -
Color Image -
Gray HighRes. Image -
Facing Pages -
Graphics -
| 0399 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
Citation Information
OCR Text
während ein dritter und vierter Weg im Süden und Norden außen um das Kloster
herumführen und Teile der Ringstraße bilden, die jeder Pilger einmal be-
gangen haben muß. Ich brauchte auf ihr zwei Stunden, um die ganze Anlage
zu umwandern; freilich war ich die längste Zeit in Begleitung eines jungen
Mönchs und mußte mit dem Rosenkranz in der Hand jede der zahllosen, großen,
knarrenden Gebetstrommeln in Schwung versetzen. Ich dachte zuerst daran, die
vielen Trommeln, deren jede ½ m hoch ist und ein hundert Klafter langes Gebet
enthält, mit Hilfe des Rosenkranzes zu zählen — es sollen über zweitausend sein
— aber mein Begleiter, der wie zufällig sich zu mir gesellt hatte, paßte so scharf
auf, ob ich alles richtig mache und die gemurmelten „Om" mit dem Rosen-
kranz nachfingere, daß ich mein Vorhaben bald aufgab. Die Gassen im Inneren
sind ziemlich breit. Viele Passanten sind an Werktagen darin nicht zu sehen.
Die Mönche halten sich meist in ihren Zellen auf, sind sie doch berühmt für ihren
Fleiß und ihre Strenge. Ich wandelte zumeist allein in den Gassen umher, immer
eingeschlossen zwischen hohen Lehmmauern, über die ihre Besitzer aus Kübeln
von oben her weiße Kalkmilch hatten fließen lassen; nur da und dort bietet
ein verschlossener Torweg, ein gedeckter Eingang in die geräumigen Höfe eine
Unterbrechung der Einförmigkeit. So gelangt man schließlich, ohne viel zu sehen,
bis in die Nähe der Hauptheiligtümer, die, eines dicht neben dem anderen, an die
westliche Bergwand angelehnt sind und die höchsten Punkte der ganzen Kloster-
anlage einnehmen (Tafel LXXI). Alle Häuser sind echt tibetisch in der nach oben
sich stark verjüngenden Bauweise aus Steinen, Lehm und unter einem großen
Aufwand an Reisig und Holz gebaut. Sie haben horizontale Dächer aus ge-
stampftem Lehm, die besseren und die Tempel zeigen, das flache Dach um-
schließend, eine breite Brüstung, die das Gebäude höher und größer erscheinen
lassen soll. Während der chinesische Tempelbauer, der Ya men- oder Palast-
gründer, seine Freude an der Ausdehnung in der Fläche hat und mit beispiel-
loser Platzverschwendung die einstockigen, komplizierten Giebelhäuser in eine
schöne Parklandschaft, zwischen Felsen und Seen stellt, will der tibetische
Architekt immer hoch hinauf; als ob er sich in einen Kampf mit seinen Berg-
titanen wagen wollte, baut er möglichst viele Stockwerke übereinander und
läßt diese nach oben sich kunstvoll verjüngen, um dem Auge vorzutäuschen, das
Haus sei noch viel, viel höher, als es schon in der Tat ist.
Der kleinste „sprisgu" muß in Labrang ein mehrstockiges Haus haben, das
er außen dunkelrot und gelb bemalt. Und wenn es seine Mittel erlauben, setzt
er sich oben auf sein flaches Lehmdach völlig unorganisch noch einen kleinen
Chinesentempel, eine chinesische Dachkonstruktion mit aufgebogenen Enden,
wie er sie bei seinen Besuchen in Peking sah; Chinesenmietlinge müssen ihm
diese machen. Ist er unvermögend, so begnügt er sich mit einigen goldenen
Zieraten auf seiner Dachterrasse; ist er aber mächtig und reich, so hat das
Chinesenhaus auf seinem Dach feuervergoldete Bronzeplatten anstatt Ziegeln
und wäre wohl kaum kleiner als die doppelten und dreifachen Golddächer der
Haupttempel, würden ihm nicht die strengen Satzungen der Gemeinde und
Sekte gewisse Einschränkungen auferlegen und genaue Vorschriften geben, wie
viele und wie große Golddächer ihm erlaubt sind. Der Tibeter muß den Mund
voll nehmen, er will in den Zeltlagern, an dem Waka in der Steppe draußen
sagen können, unser Tempel ist noch viel, viel höher, hat vier, sechs, acht Etagen,
unser Allerheiligstes hat drei goldene Dächer, hat tausend goldene Spitzen.
315
1
.
.
.
.
|
.
.
.
.
14
.
.
.
.
|
.
.
.
.
24
.
.
.
.
|
.
.
.
.
34
.
.
.
.
|
.
.
.
.
44
.
.
.
.
|
.
.
.
.
54
.
.
.
.
|
.
.
.
.
64
.
.
.
.
|
.
.
.
.
74
.
.
.
.
|
.
.
.
.
84
.
.
.
.
|
.
.
.
.
94
.
.
.
.
|
.
.
.
.
104
.
.
.
.
|
.
.
.
.
114
.
.
.
.
|
.
.
.
.
124
.
.
.
.
|
.
.
.
.
134
.
.
.
.
|
.
.
.
.
144
.
.
.
.
|
.
.
.
.
154
.
.
.
.
|
.
.
.
.
164
.
.
.
.
|
.
.
.
.
174
.
.
.
.
|
.
.
.
.
184
.
.
.
.
|
.
.
.
.
194
.
.
.
.
|
.
.
.
.
204
.
.
.
.
|
.
.
.
.
214
.
.
.
.
|
.
.
.
.
224
.
.
.
.
|
.
.
.
.
234
.
.
.
.
|
.
.
.
.
244
.
.
.
.
|
.
.
.
.
254
.
.
.
.
|
.
.
.
.
264
.
.
.
.
|
.
.
.
.
274
.
.
.
.
|
.
.
.
.
284
.
.
.
.
|
.
.
.
.
294
.
.
.
.
|
.
.
.
.
304
.
.
.
.
|
.
.
.
.
314
.
.
.
.
|
.
.
.
.
324
.
.
.
.
|
.
.
.
.
334
.
.
.
.
|
.
.
.
.
344
.
.
.
.
|
.
.
.
.
354
.
.
.
.
|
.
.
.
.
364
.
.
.
.
|
.
.
.
.
374
.
.
.
.
|
.
.
.
.
384
.
.
.
.
|
.
.
.
.
394
.
.
397
398
399
400
401
.
.
404
.
.
.
.
|
.
.
.
.
414
.
.
.
.
|
.
.
.
.
424
.
.
.
.
|
.
.
.
.
435
.
438
Copyright (C) 2003-2026
National Institute of Informatics
and
The Toyo Bunko. All Rights Reserved.