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0019 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 19 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000264
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4. August. Auch während der letzten Nacht hatten wir wieder Schwierig-
keit mit den Schafen. Als kurz nach Sonnenuntergang unweit der Zelte ein
paar Wölfe sich hatten hören lassen, zerrissen die geängstigten Tiere die Stricke
und rannten sinnlos auf und davon. Erst lange nach Mitternacht war es vieren
meiner Leute gelungen, sie zu überholen und zurückzutreiben. Unser Aufbruch
am Morgen war dadurch wieder verspätet. Zum Glück aber hatte der Bach
weiter hinab schon eine Art Tal aus den Schuttmassen herausgewaschen und
wurden die armen Tiere, die in der eisigen Nachtkälte zitternd die Köpfe zu-
sammengesteckt hatten, nicht noch weiter über Gebühr angestrengt. Wir
waren am Morgen noch nicht weit gekommen, als es meinen Hunden gelang,
ein junges Kyang zu erwischen. Es war ein allerliebstes, höchstens einen Monat
altes Tierchen, das, am Halfter geführt, ohne weiteres mit einem meiner Pferde
lief. Da es von den Hunden nicht verletzt worden war, wollte ich versuchen,
es mit der Milch meiner Yakkuh aufzuziehen. Gleich von Anfang an war es
nicht bloß mein, sondern aller Liebling. Nur die Milchkuh konnte das
hochbeinige, zapplige, rote Wesen, das im Lager frei umherlief (Tafel II)
und alle Kochkessel und Leute anstieß, nicht leiden. Sie weigerte sich ent-
schieden, es an sich heran-
kommen zu lassen. In
meiner Apotheke fand sich
aber ein Glas und ein
Gummischlauch, woraus
eine Saugflasche sich her-
stellen ließ, und ich opferte
an diesem und den näch-
sten Tagen viel Zeit, das Füllen damit aufzuziehen. Es war ein undankbares
Geschäft; denn wenn die Milch nicht kommen wollte, drehte sich das Tierchen
kurz entschlossen herum und traktierte mich mit seinen Hinterbeinen.
Wir hatten heute 25 km zurückgelegt und schlugen Lager, ohne den Alang
nor erreicht zu haben, als für einige Stunden ein Schneegestöber jeglichen Rund-
blick verdeckte. Es war ein öder Weg gewesen, den kleinen Bachtal entlang,
den Moränenwall hinab, der sich im Süden der Randkette wie ein dicker Wulst
ausnahm. In unserem neuen Lager verbargen uns flache Schutthöhen noch
einigermaßen. Ich durfte mich mit meiner kleinen Begleitmannschaft nicht
unnötig in der breiten, offenen Steppe am See sehen lassen, denn von weither
konnten sonst Gelegenheitsräuber auf mich aufmerksam werden. Zumal nach