国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

> > > >
カラー New!IIIFカラー高解像度 白黒高解像度 PDF   日本語 English
0033 Meine Tibetreise : vol.2
私のチベット旅行 : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / 33 ページ(カラー画像)

New!引用情報

doi: 10.20676/00000264
引用形式選択: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR読み取り結果

Strecke zu bringen, als sie eben eine Rattenfamilie ausgegraben und ihre
Schnauze tief in dem Loch stecken hatte. Eine Stunde später — ich hatte mich
eben an dem schönen Anblick gefreut, den Tausende von Orongo-Antilopen
boten, wie sie sich vorsichtig und doch schnell nach der Mitte einer Tagereisen
weit nach Westen sich ausdehnenden Talsteppe trollten — da begegnete ich einem
zweiten Bären. Ich ließ ihn bis auf hundert Schritte an mich herankommen.
Längst mußte er mich bemerkt haben, er nahm mich aber weder an, noch wich
er aus; erst als er weitertraben wollte, schoß ich mit meinem Karabiner und
traf ihn hinter sein breites weißes Band an der Schulter. Der Bär wälzte sich
und biß sich wütend ins eigene Fleisch. Noch ein zweites Dum-dum-Geschoß
traf, und jetzt erst wurde er auf mich aufmerksam. Der kritische Moment war
gekommen. Was wird das starke Tier beginnen? Es ist zwischen uns beiden
so eben und glatt wie auf einem Tanzboden, auch kein Gräschen erhebt sich
aus der Erde. An meine Schläfe pocht's, einen Augenblick erfaßt mich das
Gefühl des Alleinseins. Das Patronenwechseln will auch gar so langsam gehen.
Ich hatte beim letzten Zielen den Atem etwas angehalten und keuche drum
in der dünnen Luft von 4500 m. Da schwenkt der Bär schon ab, ein drittes
Geschoß erreicht ihn nicht mehr. Atemlos erreiche ich endlich mein Pferd
und sitze im Sattel, aber selbst im Galopp kann mein Pony nicht folgen, nach
wenigen Kilometern verliere ich Meister Petz aus den Augen. Für die breiten
Bärentatzen war nasser Sumpf noch Sand ein hemmendes Hindernis gewesen;
mein Pony aber lag total erschöpft und zusammengebrochen am Boden.
Kaum hatten wir an demselben Tage Lager geschlagen, als ich abermals
zwei Bären ganz in unserer Nähe auf einem Hügel bemerkte. Der Rauch des
Lagerfeuers schien ihnen gar nicht in die Nase zu beißen. Ich nahm mir diesmal
Go als Begleiter mit und machte mich bis auf höchstens 50 m an die Tiere
heran, an ein dunkles, großes, männliches und ein mehr hellgelbes, beide mit
einer nur kleinen weißen Binde am Hals. Trotz unserer Nähe ließen sie sich
noch immer nicht im mindesten stören; mächtige Erdschollen wurden von den
kräftigen Tatzen und langen Krallen beiseite geschoben und brummig fuhr
die lange, spitze Schnauze in die erweiterten Höhlungen und auf die Ratten
los, von denen oft einige entwischen konnten. Dicht hinter dem einen Bären
lief ein kleines Füchslein; was nicht in den großen Bärenmagen kam, fand sein
Ende in dem des roten Trabanten. Unsere Schüsse krachten. Go machte
natürlich trotz der Gabel an seinem Gewehr und trotz der unheimlichen Nähe
nur ein Loch in die Luft. Ich selbst hatte wohl den meinen in die Schulter
getroffen, daß er einen Moment sich wie nach einem lästigen Insekt in die
Haut kniff, aber beide stürmten, meiner ansichtig geworden, in rasender Eile
auf und davon. An eine Verfolgung war nicht zu denken.
Ärgerlich war ich eben von dieser Jagd wieder ins Zelt zurückgekehrt, als
mir von der anderen Talseite ein neues Bärenpaar gemeldet wurde. Nur ein
paar Schritte voneinander entfernt, „eifrig botanisierend", bald hier, bald dort
die Nase in ein Loch steckend, kamen sie um einen der runden Bergrücken.
Ich zog diesmal mit drei Mann aus und wir kamen alle trotz des flachen Geländes
ungemein nahe heran, so vertieft waren die großen Tiere in ihre Arbeit. Von
drei Kugeln durchbohrt, brach das weibliche Tier zusammen, trotzdem rannte
es nachher noch über 1 km weit. Erstaunt stellte sich das Männchen auf die
Hinterhand und bot so das günstige Ziel. Noch während die Leute mit dem

19