National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Meine Tibetreise : vol.2 |
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gegriffen worden? Griffen sie selbst an? Wir blieben auf Vermutungen an-
gewiesen. Der vielköpfigen, bissigen Meute wegen konnten wir es nicht wagen,
aus dem Zelte hinauszutreten. Die Frauen, die mit uns schliefen, blieben ruhig
liegen. Auch von ihnen war nicht herauszubringen, was los sei. Stundenlang
horchten wir gespannt in die Nacht hinaus Schließlich schlief man eben wieder
ein. Als Sangr am Morgen zurückkam, ließ er sich auf die Ereignisse der Nacht
nicht weiter ein und führte mir sofort seine Pferde vor, die er noch weiter in
den Himmel hob. Es waren aber die allerelendesten Mähren, die der Stamm
besaß.
Vor dem Abschied machten wir noch lange Teesitzungen in den Nachbar-
zelten, dann zog ich weiter nach dem fünf Stunden entfernten Kloster Dulan se,
während Schü weiter seinen Geschäften bei den Wanschdach' nachging.
Unterwegs begegnete ich dem Teetransport eines Schar ba-Händlers, den
drei Wanschdach' Tschabtsa-Leute geleiteten. Der Besitzer, ein Mohammedaner
aus Sung pan ting, traute sich nicht, selbst mit seiner Ware und seinen kost-
baren Pien niu zu reisen. Er war am Tage zuvor im Kloster Dulan von dem
Tung sche des Bi tieh sche gestellt worden, und da er keine Ambanlizenz besaß,
mußte er diesem eine Last Tee im Wert von etwa zwanzig Tael als Buße ablassen.
Um nicht auch meinem Freunde Schü in die Hände zu fallen, ritt er jetzt nicht
mit seinem Transport. Die erste Strafe bot ja keine Gewähr dafür, daß er nicht
noch einmal Buße zahlen mußte, denn diese Bußen gehen nicht in den Säckel
des Ya men, sondern in die Tasche des Tung sche und bilden einen Hauptteil
seines Gehalts. Für die Sung pan-Teehändler ist es sehr schwer, ja unmöglich,
sich eine Handelslizenz (Preis: 3 Tael 5 Mace), zu verschaffen, da diese immer
nur für e i n e Reise gilt, und ihr Weg ins Ts'ao ti sie nie über Hsi ning führt.
Einer der den Teetransport eskortierenden Tibeter hielt mich wegen meines
Anzugs für einen der ngGolokh-Horkurma-Kaufleute und verfolgte mich zu
Pferde. Erst als ich mein Gewehr anlegte, brachte er seine lange Lanze in etwas
respektvollere Entfernung. Wir unterhielten uns dann und es bestätigte sich,
daß die Wanschdach'e unter der Führung meines Gastfreundes in der Nacht
zuvor die Horkurma-Leute angegriffen und ihnen einen Teil ihrer Yak weg-
genommen hatten. Sechzig Wanschdach'e hatten die dreißig Kaufleute über-
fallen und auf beiden Seiten hatte es Verwundungen abgesetzt.
Das Kloster Dulan ist ein elendes Nest der Wang ka-Mongolen. Eine weit-
läufige Umwallung umschließt einige Höfe, den Ya men des Fürsten und das
sogenannte Labrang oder Lawraṅ (bla braṅ), das eigentliche Kloster oder viel-
mehr die gelegentliche Wohnung und Stätte der „Retraite" für die Mina-
Inkarnationen. Für gewöhnlich wohnen dort nur zwei Mönche, und diese
hatten zur Zeit meines Besuchs ihr ganzes Allerheiligtstes mit geschmuggeltem
Sung pan-Tee vollgepfropft. Im äußersten Hof schlugen eben die Handwerker,
die Zeltmacher, Schmiede, Büchsenmacher der Wang-Mongolen für den Winter
ihre Yurten auf. Außer diesen wohnten hier nur noch ein paar Greise in ärm-
lichen Schuppen. Der Ya men ist in chinesischem Stil gehalten; chinesische
Arbeiter haben ihn einst errichtet. Der jetzige Wang bewohnt ihn so gut wie
nie. Die Ansiedlung liegt in einem breiten, muldigen Tal. Steil steigen aus ihm
im Norden wie im Süden die Felsberge auf. Um die Hänge der südlichen Berge
schlingen sich wie ein Band in einer Höhe von 3300—3500 m Wäldchen aus
Thujen und Fichten. In diesen dünn bestockten Hainen gedeiht der offizinell
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