国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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Meine Tibetreise : vol.2 |
| 私のチベット旅行 : vol.2 |
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tributionen leisten, und wenn die den Lama begleitenden „Fan tse" unver-
schämt würden, sollten sie nicht sofort Gleiches mit Gleichem vergelten.
Das Leben in der Stadt Dankar war gegen früher sehr verändert. Es war
nun die Zeit, in der die Nomaden ihren Jahresvorrat an Getreide einzuhandeln
pflegen. Dazu hatten sich auf die Nachricht von der Ankunft des Dalai Lama
Hunderte und Tausende von Pilgern eingefunden, die ihm nach Gum bum nach-
zogen. Täglich kamen die kopfreichsten Yak- und Kamelkarawanen in die
Vorstädte und verließen wieder, so rasch sie nur konnten, den großen Markt-
ort. Einmal marschierten sechzig Kamele lhasawärts, die Geschenke trugen,
welche der Hohepriester in der Mongolei bekommen hatte. Silber, Gewehre
und Patronen bildeten die Hauptmasse. Lustig flatterte auf dem Rücken der
Tiere eine gelbe Flagge mit den chinesischen Zeichen Hsi tien (westlicher
Himmel), sollte heißen: Zentraltibet, und damit ging alles zollfrei über die
Grenze. Der hohe Herr schien seine Zeit ausgenützt zu haben.
Der Dalai Lama wohnte zwar in dem Kloster Gum bum, ein großer Teil
seines Gefolges hielt sich jedoch in der Stadt Dankar auf, wo die Lhasa-Regierung
schon sowieso immer Kommissionäre wohnen hat. Ob diese mehr kommerzielle
oder mehr politische Interessen zu vertreten haben, ist allerdings schwer zu sagen.
Ein jüngerer Bruder des Dalai Lama starb während dieser Tage in Dankar.
Sein Leichnam wurde in einer öden Bergschlucht im Norden der Stadt mit
größtem Luxus wie der eines echten Prinzen verbrannt. Er war in hockender
Stellung verschnürt und so in einen großen runden Scheiterhaufen gestellt
worden. Viel Weihrauch, Butter und Honig und alle Arten Zerealien wurden
mitverbrannt. Die Asche wurde gesammelt, verpackt und nach Lhasa gesandt.
In dem Gewimmel von Menschen und von Typen aus dem ganzen zentralen
Asien stand ich plötzlich, fast erschrocken, vor einem Europäer, einem Eng-
länder; man sah die Abstammung von weitem schon an dem hohen und stolzen
Wuchs, und keinen Augenblick zweifelte ich, daß hier allein eine englische An-
rede passen würde. Ich hatte den unglücklichen jungen Leutnant Brooke vor
mir, der eben eine große Karawane ausrüstete und der nach Zentraltibet ziehen
wollte, um den Lauf des Brahmaputra zu erforschen. Er, der Engländer,
hatte E m p f e h l u n g e n s e i n e r R e g i e r u n g und damit einen offiziellen
Dolmetscher aus dem Amban-Ya men zugewiesen erhalten, der bereits bei ihm
in Dankar eingetroffen war¹).
Nur wenige Tage hielt es mich in Dankar. Nachdem die nötigen Kleider
gekauft waren, eilte ich nach Hsi ning fu hinab. Wie ich staubbedeckt von
dem langen Ritt im Löß in die Wohnstube von Rev. F. Ridley trete, finde ich
den Vater um sein sechsjähriges Söhnchen sorgend. Dieses war plötzlich krank
geworden — an einem Sonnenstich, dachten die Eltern. Doch ein Exanthem auf
dem Körper ließ bei mir keinen Zweifel aufkommen. Der Knabe hatte Scharlach,
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