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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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Meine Tibetreise : vol.2 |
| 私のチベット旅行 : vol.2 |
引用情報
OCR読み取り結果
natürlich echten Aussehens war Teramoto schon in allen großen Klöstern Tibets
herumgekommen, hatte Lhasa von Ts'aidam aus ohne besondere Schwierig-
keiten erreicht, alle seine Heiligtümer gesehen und unbehelligt monatelang in
seinen Klöstern gehaust. Wie gut kann doch die japanische Regierung durch
solche opferwillige und tüchtige Forscher über alle Vorgänge im Innern Asiens
auf dem laufenden erhalten bleiben!
Während wenige Jahre früher der japanische Mönch Kawagutschi, der erste
Japaner, der in Lhasa einige Zeit gelebt hat, vom Dalai Lama noch als Landes-
verräter behandelt worden war, als sein Inkognito als angeblicher chinesischer
Arzt gelüftet ward, wurde jetzt Herr Teramoto vom gleichen Dalai Lama und
seinen nächsten Ratgebern als Instruktor für alle nichtzentralasiatischen Ver-
hältnisse verwendet, auch nachdem seine Nationalität allgemein bekannt ge-
worden war. Da er es gleichzeitig verstand, sich mit den chinesischen Beamten
gut zu stellen, indem er sich ganz ihren Sitten unterwarf, auch immer bereit-
willigst bei ihren Trinkratespielen mittat, so wurde er sicher einer der besten
Kenner dieser ganzen für uns Europäer noch so dunklen zentralasiatischen Welt.
Jetzt wohnte er in Gum bum im Ökonomiegebäude Adya fo ye's, den die japa-
nischen Buddhisten zwei Jahre früher zu sich nach Japan eingeladen hatten und
der zurzeit noch in der Ostmongolei als Abt irgend eines Klosters abwesend war.
Als ich am Tage nach der öffentlichen Prüfung den Besuch heimgab und
Teramoto in seiner hübschen und gemütlichen Priesterzelle aufsuchte, erfuhr
ich, daß der Dalai Lama noch in derselben Nacht nach dem unbekannten
Fremden, d. h. nach mir, hatte fragen lassen. Er hoffte, ich sei ein Bote irgend
einer fremden Macht und hätte ihm eine Kunde zu überbringen, um Mittag
schon erwartete man mich zu einer Audienz.
Ein Mönch aus Lhasa holte mich zur angesagten Zeit in meinem Gasthof
ab und brachte mich insgeheim über den Berg und durch eine Seitenpforte in
das Abtsgebäude. Vor dem großen, gelben Haupttor lungerten ein paar
chinesische Milizsoldaten als Wachen herum. In der Stube des obersten Tor-
hüters, eines Priesters, hatte ich eine kurze Weile zu warten, dann geleitete
mich mein Lhasamann in das dahinterliegende Hauptgebäude und eine schmale
steile Holzstiege hinauf. Eine kleine Türe wurde aufgerissen, um hinter mir
sogleich wieder zugeschlagen zu werden. Mein Diener, der bis dahin mit mir
gegangen war, mußte draußen bleiben. Ich befand mich in einem niederen
und schmalen Saal, in dem ich zunächst nur viele, in dunkelroten und blauen
Pulostoff eingebundene Holzsäulen wahrnahm. Der Raum erhielt sein Licht
durch einige Papierfenster und von einem Balkon, der einen weiten Blick über
das Klostertal und alle Goldspitzen und Golddächer der Tempel gestattete.
Ein alter Lama tritt jetzt aus dem Säulenwald heraus und auf mich zu
und führt mich weiter nach der Mitte des herzbeklemmend engen Raumes,
und nun endlich entdecke ich zwischen den Säulen hindurch an der mit Heiligen-
bildern voll behangenen Rückwand einen lebhaft und interessiert sich vor-
beugenden jungen Mann, der auf einem schmalen, meterhohen Podeste nach
Buddhaweise hockt — ich stehe dicht vor dem Bodhisat, vor dem Priester-
könig der Tibeter und Mongolen, vor dem höchsten buddhistischen Heros, vor
dem Millionen Menschen von den sibirischen Eiswüsten bis hinab in die heißen
Ebenen Indiens gläubig ihre Kniee beugen! Wie viele Tausende von ihnen
mögen mich um diesen Augenblick meines Lebens beneiden!
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