国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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Meine Tibetreise : vol.2 |
| 私のチベット旅行 : vol.2 |
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OCR読み取り結果
re ts'o dschayu, wo einst Da Tschang überfallen worden war, vorbeizureiten.
Die wenigsten von uns mochten noch reiten, alle fürchteten, auf den Pferden
die Beine zu erfrieren. Hatte ich aber nur eine kurze Strecke zu Fuß zurück-
gelegt, so wähnte ich, die Brust wolle mir springen und krampfartig gähnend
rang ich nach Atem, während ich mühsam in den klumpsig weiten Mongolen-
stiefeln weiterschlurfte.
Über einen flachen und niederen Paß kamen wir am folgenden Tage in die
weite rDo tschü-Steppe, in der der Weststurm Staubtrombe hinter Straubtrombe
herjagte. Wir waren jetzt in Gegenden gekommen, die unmittelbar in den
obersten Hoang ho abwässern. Auch diese Talebene bildet zur Sommerzeit
einen unbegehbaren Sumpf, auf den sich höchstens leichtfüßige Antilopenrudel
hinauswagen können, jetzt aber war er zur staubigen Wüste, zur Treibsand-
büchse umgewandelt. Am ersten Grasfleck, den wir fanden, wurde Lager ge-
schlagen. Bis aber abgeladen war, war der Tag entschwunden. Um ein Haar
wäre mir damals mein Dankar-Mann Li erfroren. Sein Gesicht war dick auf-
gedunsen, kalt, gefühllos und wachsfarben wie das eines Toten. Er konnte
nicht mehr gehen und nicht mehr sprechen. Wie einen Mehlsack luden wir ihn
mit vereinten Kräften auf ein Pony und schleppten ihn aus der schutzlosen
Ebene. Durch Reiben brachten wir ihn im Lager wieder zum Leben und am
Feuer taute er buchstäblich vollends auf, so daß er bald den heißen Tee eigen-
händig an seine blauen Lippen führen konnte. Sonderbarerweise hatte er außer
seiner Gesichtshaut nichts ernstlich erfroren. Auf seinem Gesicht aber konnte
man noch nach Monaten die Spuren dieses Gewaltmarsches lesen.
5. Februar. Wie gewöhnlich waren wir um acht Uhr in der Frühe wieder
unterwegs. Wir kamen sehr rasch vorwärts und überschritten am Morgen kurz
nacheinander zwei kleine Pässe. Als die Pferde keuchend uns auf den zweiten
getragen hatten, drangen plötzlich unsere Blicke nach Süden. Unsere erste
Etappe, die rMa yung, die breite Grasebene des oberen Hoang ho, lag vor uns
ausgebreitet als ein breiter, ganz flacher Taltrog, der quer über unsere Weg-
richtung lief. Niedere Hügel, die man überall von den Talmulden aus zu Pferde
erklimmen kann, lagen diesseits und jenseits dieser breiten Ebene, ein wildes
Wirrsal bildend. Im Abstieg von dem kleinen Paß war ich vorausgeritten, um
am Hoang ho die beste Übergangsstelle ausfindig zu machen. Da sprengt plötz-
lich „Sechsunddreißig" auf ausgepumptem Pferd zu mir: „Die Leute mit den
Lasttieren haben halt gemacht. Menschen mit brennenden Luntenflinten
müssen ganz nahe sein." Der unverkennbare Geruch von brennenden Lunten
war ihnen in die Nase gestiegen. Ein Blick über den nächstgelegenen Hügel
belehrte mich, daß wir in der Tat Menschen in allernächster Nähe hatten. Wir
waren ganz unversehens mitten in das Winterlager eines volkreichen Nomaden-
stammes geraten. Nur das Tälchen, dem entlang der Verkehrsweg von Dankar
nach K'am läuft, war leer und unbesiedelt geblieben, wahrscheinlich um die
Herden nicht der Gefahr auszusetzen, mit fremden Tieren und deren Krank-
heiten zusammen zu geraten.
Rasch zog ich meine Perücke mit dem lang baumelnden Zopf aus der
Satteltasche, drückte die Pelzmütze darüber und band mir wie an den kältesten
Tagen mein rotes Turbantuch um das Gesicht, um nach Möglichkeit den keimen-
den blonden Bart zu verdecken. Kaum war dann die Karawane aufgerückt,
als schon Späher auf uns zuritten und nach „Woher?" und „Wohin?" fragten.
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