National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Meine Tibetreise : vol.2 |
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dieser Händel persönlich nach Hsi ning gereist und hatte vor dem Amban
Klage geführt und die chinesische Regierung um Schutz angegangen. Jetzt
war hierüber ein unbedachtes Wort gefallen und jäh war unser Fest abgebrochen
worden. Der kleine Prinz wollte sich nicht beruhigen lassen, vielmehr jedem
sein Schwert entwinden und damit den Gegner niederschlagen. Kaum weniger
hitzig war sein Widerpart. Als noch der Häuptling seinen heißblütigen Sohn
festhielt, drückten sich meine Mohammedaner, und auch ich schlüpfte wortlos
davon, sowie ich eine Lücke gefunden. Wir kannten alle die Gefährlichkeit
der Tibeter, wenn sie durch Alkohol erhitzt sind, und hatten zu fürchten, daß
sich plötzlich die ganze Wut gegen uns kehren würde.
In den nächsten Tagen ging unser gemeinsamer Marsch durch ein niederes
Hügelland. In der Karawane war wieder völliger Friede. Kaum 100 m hohe
Berge mit weichen Formen galt es für uns zu überschreiten. Alle Höhen und
alle die breiten muldigen Täler zeigten in Anbetracht der großen absoluten
Höhe relativ dichten Pflanzenwuchs. Selten nur entdeckte ich an einer Bach-
ecke oder an einem Grat ein Stückchen anstehenden Fels und einen Schicht-
kopf, der mir erzählen konnte, wie hier der Grund beschaffen war. Auch hier
sind immer noch Sandstein- und Schiefermassen von N 70° W-Streichrichtung
bei fast vertikaler Aufstellung der Schichten zu treffen. Am zweiten Tage über-
schritten wir den Tschiang tschü (Kyang tschü), der nur 20 m breit und voll-
kommen zugefroren war. Er windet sich durch ein breites, reif aussehendes
Tal, das im Sommer von den Nomadenherden besucht wird. Hier verlor die
große Karawane zwei Yak, die auf dem glatten Eis ausgerutscht waren und eine
Hüftverrenkung davongetragen hatten. Einem großen Teil der Tiere und allen
den kostbaren Yakbastarden hatten die Treiber für diesen Übergang die Hinter-
beine an den Sprunggelenken mit Stricken zusammengebunden, damit sie sich
nicht verspreizen sollten. Die schwer beladenen Tiere mit den kurzen un-
beweglichen Füßen nahmen sich wie große Kommoden aus, die einzeln von
hinten über das glatte Eis geschoben wurden. Auch auf den folgenden Märschen
waren die Verluste an Ochsen recht bedeutend, obwohl die Tibeter allerhöch-
stens 20 km an einem Tage zurücklegten. Wir hatten aber vielfach über
gefrorene Naka-Felder und Hochmoore zu klettern, die die Tiere auspumpten.
Man brach immer ungemein früh auf, so früh, wie ich meine Chinesen nie auf
die Beine gebracht hatte. Der Tag dämmerte erst unmerklich, als schon
die letzten Yaktrupps das alte Lager verließen. Der Be hu und seine Reiter
blieben in den ersten Tagen so lange zurück, bis meine Chinesen ihren Tee
gekocht und die Lasten aufgebunden hatten. Dann machte er mir mit
grinsendem Prahlen vor, wie rasch sie ihr Zelt abschlagen und verpacken,
wie gewandt ein Fan tse seine Montur sattelt und mit ein paar Knoten die
unbeholfensten Bündel an den primitiven Packsattel festknüpft.
Südlich des Hoang ho traf ich gegenüber dem nördlichen Teil meiner Route
auffallend viel Schnee. Er lag zwar nirgends tief; eine Decke von 10 cm ist
hier schon sehr reichlich. Nur in den freilich zahlreichen Löchern, in den aus-
getrockneten Tümpeln und Wannen der Naka-Moore, die hier eine größere
Rolle in der Vegetationsbedeckung der Erdoberfläche spielen als im Norden,
lag Schnee von über Fußtiefe. Es war auch in jenen Tagen immer sehr dunstig.
Die Fernsicht war so beschränkt, daß man häufig wenig über 1 km weit sehen
konnte. Der Westwind hatte jetzt erheblich an Stärke verloren und damit
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