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0203 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 203 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000264
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sche hergeritten, um mich, wie sich bald zeigte, auf dem kürzesten Wege aus
dem Land zu jagen.

Als man sich begrüßt und Platz genommen hatte, bot ich ihm in chinesischer
Weise Tee an, er aber platzte amtlich und mit fest klingender Stimme heraus:
„Wir Tibeter sind dumm wie die Rinder. Wir verstehen nichts, wir können
nichts und haben vor allem Fremden Angst. Ihr Fremden seid klug, ihr Fremden
seid in allen Handwerken erfahren, ihr Fremden habt großen Mut. Unsere
Leute wollen nicht, daß du in unser Land kommst, denn sie sind feig und haben
Angst vor allem Fremden, und darum gestattet auch der König nicht, daß du
weiter hier herumreist . . ." Ohne Unterbrechung plätscherte seine Rede auf
solche Art mit Vergleichen und Beispielen gespickt weiter. Tibeter halten ja
immer endlose Reden und in der einfachsten Hütte geht es wie in einem Parla-
mente zu. Mehrmals wiederholte er zur allgemeinen Erheiterung mit ernstester
Miene seine Einleitung: „Wir sind dumm wie die Ochsen und wissen nicht, was
wir tun." — „Gehe zurück," meinte er hochmütig, „woher du gekommen bist,
und wir werden als Freunde scheiden." Um mir den guten Willen und die
Großmut seines Fürsten zu zeigen, legte er zum Schluß seiner Rede einen großen
Khádar, ein Panther- und ein Fuchsfell vor meinen Sitz und bat mich, diese
anzunehmen. „Es sind nur Felle wilder Tiere. Es ist aber das einzige, was unser
Land an Wertvollem besitzt. Für die Augen von euch Fremden ist es freilich
ein nichts."

„Wie kann ich diese Geschenke annehmen," erwiderte ich ihm, „wenn ihr
mich wie einen Verbrecher des Landes verweist und mir die Weiterreise nach
Süden verbietet?"

„Ich verliere meine Stellung und mein Leben, wenn ich dich nicht an die
Grenze bringe. Wenn du durchaus nach Süden mußt, so gehe über Ka ts'a.
Über Ka ts'a führt die große Straße nach China. Hinter Ka ts'a kannst du
nach Süden gehen."

Ka ts'a liegt bereits jenseits der Grenze des Naṅ tsien-Reiches und in Dergi.
Niemand bürgte mir, daß ich dort nach Süden gelassen würde. Ich ging daher
auf diesen Plan nicht ein und schlug vor, im Westen um den Stamm des Naṅ
tsien-Königs herumzureisen. Ich stieß aber auf entschiedensten Widerstand.
Bis hinter den Yang tse kiang nach Tschendu sollte ich zurückgehen, wollte
ich nach Westen ausbiegen. Wenn mich dort aber auch Gu ts'a und Nam tso
durchlassen würden, die Yüchü würden sicher wieder wie im Jahr vorher über
mich herfallen.

Ich kalkulierte im stillen, der Be hu sei doch wohl wegen ganz anderer Ge-
schäfte nach Dscherku ndo gekommen und dachte bei mir, ruhig abzuwarten,
bis dieser Herr wieder abgereist sei. Durch das Fenster auf die Ebene im Süden
weisend, zeigte mir der Beamte jedoch ein weißes Zeltlager, das dort eben im
Entstehen begriffen war; ich konnte Dutzende von Pferden zählen und sah
in der Morgensonne die Lanzenspitzen und Gewehrläufe glitzern. „Dies sind
meine Soldaten," fügte er trocken hinzu, „die mir helfen sollen, dich nach
Ka ts'a zu geleiten."

Höhnisch dankte ich ihm für die große Ehre, die er mir zugedacht, und daß
er, um nur mich, einen einzelnen friedlichen Reisenden, abzuschieben, solch
einen Haufen Landwehr aufgeboten hatte.

Als der Bon endlich gegangen war, trat mein Hauswirt herein und kündigte

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