国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0218 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
| 私のチベット旅行 : vol.2 |
引用情報
OCR読み取り結果
Zum Muri la geht es von Tschoktsen gomba durch ein muldiges Tal, das
mit Buschwald von immer noch über 1 m Höhe bestockt ist. Später steigt man
über einen kahlen, kilometerbreiten Moränenhang zum Paßobo hinauf. Oben
steckt jeder Reisende eine neue Fahne und einen neuen Holzspeer in das Obo
und umkreist mit lauten „o! Lhadialo! o! o! Lhadialo! o! o!" den Paßfetisch.
Es hilft dies sicher gegen Bergkrankheiten jeder Art und gegen Räuber. Auf
dem Passe lag knietiefem Schnee. Die Berge im Süden überragten uns in Dolo-
mitenformen noch um 600 und teilweise 1000 m. Von Süden scheint auch die
große Moränenmasse gekommen zu sein, die die heutige Paßhöhe des Muri la
gebildet hat.
Bald hinter dem Paß ließ ich Lager schlagen und die Horba-Händler allein
weitereilen. Sie ritten noch 25 km an diesem Tage; denn sie fürchteten auch
hier für ihre Habseligkeiten, obwohl sie doch recht gut bewaffnet waren. Jeder
Mann hatte eine Gabelflinte auf dem Buckel, an der Seite ein großes, breites
und im Gürtel ein kurzes, spitzes Schwert. Die meisten trugen lange Lanzen,
deren Vorderteil durch ein spiralig aufgenageltes Eisenband gegen Parierhiebe
geschützt war und last not least pendelte vielen rechts am Sattel noch eine
Bogentasche mit einem mandschurischen Bogen und ein mit Pfeilen gespickter
Köcher. Weil nämlich die Luntenflinte bei plötzlichen Überfällen in den dichten
Wäldern der Täler Osttibets eine sehr zweifelhafte Waffe darstellt, so halten
viele K'amba an der uralten Bewaffnung fest. Mit Pfeil und Bogen lassen sich
jederzeit rasch hintereinander einige Schüsse gegen den Gegner abgeben Man
braucht dazu nicht erst mit Hilfe von Feuerstein, Zunder und Feuerstahl die
Flintenlunte zu entzünden, braucht nicht nach jedem Schuß mit dem langen,
unfügen Ladestock zu stopfen und auch nicht darauf zu achten, daß die
Flintenpfanne neues trockenes Pulver erhalten hat.
Mit der Aufzählung der Waffen ist freilich noch lange nicht alles beschrieben,
was an einem tibetischen Geschäftsmann hängt, wenn er eine größere Tour
unternimmt. Ist er einigermaßen bei Kasse, so fällt außer einigen kleineren
Amuletten, die ja von jedermann stets am Halse getragen werden und in Leder-
oder vielleicht auch in Silber- und Goldhüllen verschlossen sind, am meisten
ein Metallkästchen von etwa 20 × 15 × 8 cm Größe auf, das an einem silber-
gebuckelten und quer über die Brust laufenden Mehrgehänge getragen wird
(s. Bd. I, Titelbild und Tafel XLI). Es enthält außer Beschwörungen und von
Heiligen und Inkarnationen angehauchten Seidentüchlein den Leibgott, ein feuer-
vergoldetes Bronzebild des besonderen Schutzheiligen, dem der Besitzer zugetan
ist. Ihm wird unterwegs im Quartier oder Zelt jeden Tag Weihrauch geopfert.
Außen am Lendengurt aber baumeln dem Reisenden das kräftige Eßmesser,
die Feuersteintasche, ein Lederportemonnaie, eine Nadeltasche, ein Beutel für
den Eßnapf, die Kugeltasche, die aus Horn gefertigten Pulverbehälter für je
einen Schuß und endlich noch ein Hörnchen für das Pfannenpulver der Flinte.
Auch das Pferd hat verschiedene Anhängsel. In erster Linie einige kleine Beutel
aus Leder und rotem Wollzeug, in die vom Priester geweihte Gerste gewickelt
ist. In die Mähne sind rote Bänder geflochten und am Hals hängt eine rote
oder schwarze Quaste und ein silbern klingendes Glöckchen.
Auf dem südöstlichen Abfall des Muri la ist die Böschung auch nur im
obersten Teile steil (Tafel XXXIII). 6 km unterhalb des Passes liegt der See
Yü hung ts'o. Er hat etwa 5 km Umfang und verdankt seine Bildung den heute
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