国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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Meine Tibetreise : vol.2 |
| 私のチベット旅行 : vol.2 |
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sieren, die mit ihren großen weißen und rosa Blüten von 4500 bis 3800 m herab-
reicht. Die großen Blüten waren eben im ersten Aufblühen und die dachgähen
Berghalden bildeten manchmal ein wahres Blütenmeer. Lange bevor Dschedo
erreicht wird, ist man innerhalb der Hochwaldgrenze, und die Feuchtigkeits-
mengen, die der Monsun in diesen Randgebirgen abladen muß, haben sogar
auf beiden Talseiten, sowohl an Nord- als an Südhängen, schier undurchdring-
liches Dschungel entstehen lassen.
Bei Dschedo biegt die Schlucht, die von der Straße benützt wird, aus ihrer
südöstlichen Richtung ganz nach Osten um und jetzt stiegen dicht vor mir mit
einem Male die Bergmajestäten des heiligen Lhamo rtse auf. Die Wolken der
Nacht waren mittlerweile bis auf geringe Reste von der Sonne verzehrt worden.
Frech, unverschämt und patzig, wie nur ein Barbar sein kann, reckten sich
diese Heiligen zum Himmel empor (Tafel XLVII). Weiß spiegelnder
Firnschnee und grünlichgraues zerspaltenes Eis hob sich drüben zum Greifen
nahe von schwarzen Felsschründen ab. Was mir aber bei dieser atemrauben-
den Überraschung das Herz noch höher schlagen ließ, war all das saftig frische
Grün des Laubwerks, was sich da unter den übermächtigen Götterthronen breit
machte. In dem Tal zu Füßen des Lhamo rtse war es schon eine Weile lang
Frühling, da zwitscherte eine Unzahl von Vögeln und Vögelchen, die ich nie
vorher geschaut hatte, und rings um mich her gaukelten die farbenprächtigsten
Schmetterlinge. Mit jedem Schritte tiefer wurde Mutter Natur lebendiger und
lebenslustiger, üppiger, artenreicher. Ich hatte im Norden Tibets und während
meiner langen Reise im Löß vergessen, wie schön, wie verschwenderisch unsere
Erde ausgestattet sein kann. Um so größer war nun mein Genuß geworden.
Man reiste zuletzt in nordöstlicher Richtung; die Straße folgte in der letzten
Stunde einem großen Tale, das am Westfuß der Lhamo rtse-Kette entlang
läuft. Ein paar Meilen vor Ta tsien lu wird der Wald wieder kümmerlicher.
Der Mensch mit seiner Eigensucht hält hier die Üppigkeit der Natur zu seinem
eigenen Schaden im Zaum. Die Holzhauer der Stadt lassen nur noch Busch-
wald aufkommen. Endlich — es war mittlerweile drei Uhr geworden — tauchten
im Talgrunde schwarzgraue chinesische Ziegeldächer und Hausgiebel auf und
bald darauf — man mußte nur noch einen Paradeplatz und einen chinesischen
Friedhof vorbeilassen — klapperten die Hufe meiner Pferde in einer engen
gepflasterten Gasse und durch das kleinliche Südtor von Ta tsien lu. Ich war
wieder in China geborgen.
Die Stadt Ta tsien lu liegt 2500 m hoch¹) und eingekeilt zwischen steil auf-
steigenden Bergen. Sie birgt rund 1200 Familien mit etwa 8000—10 000 Köpfen
(ein Drittel Chinesen und zwei Drittel Tibeter) und war seit langer Zeit der Sitz
eines chinesischen Obersten (hsiě tai), dem alle Gendarmeriegarnisonen in ganz
Hor, aber auch die von Ba tang, Li tang usw. unterstanden, weiter eines Inten-
danturmandarinen, „Kün leang fu" betitelt, dem die Abrechnung mit den
Okkupationstruppen und kaiserlich anerkannten Klöstern bis hinauf nach Lhasa
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