国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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Meine Tibetreise : vol.2 |
| 私のチベット旅行 : vol.2 |
引用情報
OCR読み取り結果
Brautgeschenke, etwa zehn Liter Schnaps und einen schönen alten Krug aus Bronze¹) voll
Weizen, einen Khádar, ein großes Stück geräuchertes Schweinefleisch u. dgl. Damit
hat sich die Familie des jungen Mannes ihre Schwiegertochter gesichert. Die junge
Braut zählt um diese Zeit oft erst 16 Jahre und meist erfährt sie nur auf Umwegen,
daß sie bereits einem Manne versprochen worden ist. Die Hochzeit selbst findet erst
zwei, drei oder mehr Jahre später statt. Von einem Bönbo wird dann der Tag und die
Tageszeit errechnet, wann die Braut ihr Elternhaus zu verlassen hat. Den Tag zuvor
schon werden Lamapriester in die beiden Häuser, die sich miteinander verbinden
wollen, eingeladen, die ein gTorma machen und die Gebete lesen. Um die vom Bönbo
festgesetzte Stunde aber wird die Braut von ihren Verwandten aus dem Haus gezerrt,
trotz allen Sträubens und Heulens auf ein Pferd gesetzt und zum Haus der Schwieger-
eltern gebracht, wo sie mit Musik und Gewehrschüssen empfangen wird. Dies nennt
man „jabdye sakró" — die Frau einholen. Es kann dabei niemand das Gesicht der
Braut sehen; sie ist tief verschleiert und ganz in Rot (kin.: rdembrel = Glücksfarbe)
gekleidet, trägt einen roten Schleier und schämt sich. Alle ihre Verwandten und die
Verwandten des Bräutigams versammeln sich zu ihrem Willkommen und bleiben die
ganze erste Nacht und bis zum nächsten Mittag bei den Schwiegereltern. Man ißt
Schweine- und Yakfleisch, trinkt Schnaps
und tanzt die ganze Nacht hindurch. Die
Braut aber tanzt nicht, sondern sitzt ver-
schleiert zwischen den älteren Frauen. Am
Nachmittag des zweiten Tages geht alles
wieder auseinander, auch die Braut kehrt
wieder mit ihren Eltern heim, nur die
Freunde des Bräutigams schmausen weiter.
Der Bräutigam muß sich jetzt auf den Platz
setzen, auf dem seine Braut saß, und muß
aus ihrem Becher einen Schnaps mit Honig
und Eiern²) trinken, und jeder seiner
Freunde schenkt ihm nun eine Kleinigkeit,
dazu ein Branntweinkriigchen, das mit
einem Khádar bedeckt ist, und alle zu-
sammen geben ihm einen neuen Pflug oder
Stoff zu einem Anzug od. dgl.
Ein Viertel- oder ein Halbjahr nach
dieser Hochzeitsfeier besucht eine Schwester
oder Tante des Bräutigams die Braut in ihrem Elternhaus und bringt sie ganz un-
auffällig zu ihren Schwiegereltern und zu ihrem Manne. Die Braut bringt Schmuck
und Kleider, Ackergeräte, Sicheln, eine Kuh, ein Mutterschaf und Mutterschwein und
Nähzeug mit und gewöhnlich bestimmt der Brautvater ein Stück Feld, das der Tochter
zur lebenslänglichen Nutznieẞung freisteht, dessen Ertrag aber nach ihrem Tode wieder
ganz der Familie ihres Vaters anheimfällt. Die Stellung der Frau ist in Kin tschuan
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