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0304 Meine Tibetreise : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / Page 304 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000264
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Nach der Bestattung lesen
die Mönche im Trauerhause
noch weiter von morgens bis
abends die Gebete und jede
Nacht wiederholt der Lama
seine Austreibung der Lha
ndri mittels der weißen
Steine. Wenn diese Steine
hinausgefegt sind, werden
vor dem Hause noch einige
Schüsse abgefeuert. Der
Lama breitet während des
Betens immer ein Papier auf
dem Boden aus, auf das der
Tote gemalt und sein Name
geschrieben ist; dies wird
„mtsaniang" genannt. Etwa
49 Tage nach dem Tode wird
dieses Papier von der Familie
möglichst zu einem Gechi-
Lama gebracht. Dieser ver-
brennt es unter neuen An-
rufungen. Die Papierasche
wird noch einmal gesammelt,
in ein Ts'at'sa geknetet und
in irgend einer Felsnische,
die der Bönbo-Wahrsager
herausgefunden hat, aufge-
stellt. So lange wird auch vor
dem Ts'apak immer wieder
eine Butterlampe ange-
zündet. Ist die Leiche verbrannt worden — dies können sich nur die Reichen ge-
statten — so werden die unverbrannten Knochenstücke und die Aschenreste gesammelt
und später in einem kleinen Grab beigesetzt. Man sieht in Kin tschuan jedoch nicht sehr
viele Ts'apak. Ich hatte die Empfindung, daß die Beerdigung der Toten eine neuere
Sitte und daß früher das Verbrennen häufiger gewesen sei. Das Inswasserwerfen der
Leiche, das in Ta tsien lu noch vielfach, namentlich bei Epidemien, vorkam, ist selten
in Kin tschuan. Von den übrigen Bestattungsarten der Tibeter ist das Zerstückeln,
das in Lhasa gang und gäbe zu sein scheint, gar nicht üblich, ebensowenig beliebt ist
das Aussetzen. Nur die Zeltnomaden von Kin tschuan, die in den Bergen oben über der
Ackerbauzone teils als unabhängige Hirten, teils als Angestellte der Reichen und der
Klöster Yakrinder züchten, setzen ihre Toten aus. Diese Nomaden sind aber auch ein-
gewanderte echte Tibeter aus dem Westen und sprechen gar nicht die Kin tschuan-
Sprache, sondern einen reinen tibe-
tischen Dialekt.
Am Jahrestage des Todes werden
noch in den nächsten Jahren und,
wenn es der Vater oder die Mutter
war, solange der Sohn am Leben
ist, Priester in das Haus gebeten,
die vor einer auf ein Stück Papier
gemalten menschlichen Figur, die
den Toten vorstellen soll, einem
„mtsaniang", Gebete verlesen.
Dieses Bild wird allemal am Abend
auf dem Hausdach auf dem Altar
mit Weihrauch zusammen verbrannt
und die ganze Familie macht dem
Geist des Abgeschiedenen einen

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