国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

> > > >
カラー New!IIIFカラー高解像度 白黒高解像度 PDF   日本語 English
0334 Meine Tibetreise : vol.2
私のチベット旅行 : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / 334 ページ(カラー画像)

New!引用情報

doi: 10.20676/00000264
引用形式選択: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR読み取り結果

Verfolgung bald darauf einstellen, weil die Dunkelheit einbrach und wir erkannten,
daß wir einem ganz raffinierten Roßdieb zum Opfer gefallen waren. Die Spuren
liefen kreuz und quer, welche Stellen im Boden, wo die Hufnägel sich deutlich
abdrücken konnten, waren ängstlich vermieden.

Mit den ersten Sonnenstrahlen saßen wir am nächsten Tag wieder am Feuer
und beratschlagten, ob es Zweck habe, die Verfolgung noch einmal aufzunehmen,
da knackte es in den nächsten Büschen und unser gestriger Besucher stand wie-
derum vor uns, band seine Rosinante, eine dürre Stute, neben unserem Waka
fest und setzte sich, ohne eine Aufforderung abzuwarten, zum Frühtee nieder.
Als wir von unserem Verluste sprachen, erklärte er eifrig, das Pferd habe sich
sicher in dem dichten Unterholz unten im Wald verlaufen. Wir sollten noch
besser suchen. Ich schickte darum meine drei Gefährten noch einmal auf
die Suche, und während der Fan tse sich dann aufs Pferd schwang und wegritt,
trat ich in mein Zelt, um Instrumente zu holen. Ich kam aber im nämlichen
Augenblick wieder heraus, um den Lagerwächter zu machen, und sah nun
unseren biederen Gast gerade noch hinter einem Busch mit einem meiner Maul-
tiere verschwinden. So leicht wie den Abend zuvor sollte es heute doch nicht
gelingen. Mit wenigen Sätzen holte ich ihn ein, nahm ihm das Tier wieder ab,
riß ihn voll Wut vom Pferd und zwang ihn zum Feuerplatz. Nach einer Stunde
im tête à tête mit dem Spitzbuben, trafen endlich meine drei Leute ein, natürlich
unverrichteter Dinge. Ts'an Rarschdan, der eine der beiden Somo-Burschen,
mußte dem Übeltäter in meinem Namen mitteilen, daß er mit mir ins Merge-
Kloster gehen müsse, um sich wegen des heutigen Diebstahls zu verantworten
und das Verschwinden meines Reitpferdes aufzuklären. Wir packten sodann
zusammen, unser unfreiwilliger Gast half uns diensteiferig beim Aufladen und
weiter ging es nach Nordosten, wo in einer Entfernung von wenigen Li das
Kloster liegen sollte.

Der Pfad führte durch dichten grünen Buschwald. Schon 1 km hinter unserem
Lagerplatz verließ er die Talschlucht. Der Fluß wand sich in einer scharf ein-
geschnittenen Klamm zwischen felsigen Hängen nach Osten und nachdem er
in der Ferne aus Nordosten einen Zufluß erhalten hatte, entschwand er in
südöstlicher Richtung. Wir aber blieben auf unserem Wege in nordöstlicher
Richtung und mußten mitten im Wald einen 3600 m hohen Sattel überschreiten.
Mich nahm die Aufnahme des Wegs und der gewundenen Waldschluchten
vollkommen in Anspruch. Die Diener hatten mit den Packtieren vollauf zu tun,
darum war es für unsern Spitzbuben ein leichtes, von seiner Stute zu gleiten
und im Dickicht zu verschwinden. Da die alte Mähre ruhig in der langen Kette
meiner Mäuler mittrottete, so glaubten jetzt meine Begleiter, vermittels des
Tieres beim ersten besten Merge-Dörfler den Namen des Besitzers erfahren und
dem Spitzbuben doch den Prozeß machen zu können. Ich ließ dies geschehen.

Die Wegaufnahme in dem dichten Wald blieb weiterhin schwierig. Immer
in der gleichen Richtung weitermarschierend gelangten wir nun in ein von
Nordosten kommendes Flußtal, aus dem links und rechts zahlreiche Berggipfel
und kleine Felszacken bis zur alten Höhe von 4000 m emporsteigen. Die Arbeit
hielt mich so sehr auf, daß ich eine ziemliche Strecke hinter meiner Karawane
zurückblieb. Ins Schreiben vertieft, ritt ich langsam weiter. Da springen plötzlich
sechs bis acht Tibeter hinter einem Baum vor und wollen auf mich einhauen.
Vom buschbestandenen Rain prasselt zugleich ein Steinhagel auf mich und

260