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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

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0335 Meine Tibetreise : vol.2
私のチベット旅行 : vol.2
Meine Tibetreise : vol.2 / 335 ページ(カラー画像)

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doi: 10.20676/00000264
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OCR読み取り結果

mein Pferd. An vier Stellen trifft es mich und Blut rinnt mir von der Stirne
und blendet mich. Bis instinktiv das Routenbuch weggesteckt, die Zügel und
die Waffe ergriffen sind, ist mein Pferd mit einigen gewaltigen Sätzen der Kara-
wane aufgeeilt, die im dichtesten Busch von einigen Dutzend Mann umzingelt
steht. Schwertblätter und Lanzenspitzen funkeln in der Sonne, ein ohren-
betäubendes Geschrei übertönt selbst das Brausen des Wildwassers nebenan.
Hunde heulen. Schüsse krachen. Vor und hinter mir sehe ich mit einem Schlage
Gabelflinten sich nach mir richten. Alles geht und kommt wie im Kaleidoskop
so schnell. Die Maultiere sind schon verloren, sind herumgerissen worden und
werden eben über eine Brücke getrieben. Ganz vorne sehe ich noch die beiden
Jünglinge aus Somo auf dem Boden knien und kotauen. In einem Augenwinkel
glaube ich Brdyal zu erkennen. Er hat sich auf ein Pferd geschwungen, hat
ein Gewehr zur Hand und erwidert — wie er nachher berichtete — einige
Schüsse. Ich selbst will nicht sogleich schießen und rufe, so gut ich kann, den
mir am nächsten Stehenden an: „Ich komme als Freund vom Pan da lama,
eurem Herrn. Wer ist der Bon? Was wollt ihr? Was soll dies?" Als Antwort
zuckt nur eine Schwertklinge gegen mich, die ich mit der Pistole pariere. Jetzt
trifft mich noch ein mächtiger Schlag in den Rücken. Mein Pferd wird von hinten
her gestochen. Brdyal reitet los und ruft mir noch ein: „Fort, Herr, ins Kloster,
ehe wir einen erschossen haben" zu. Drei Sätze — wir sind beide aus dem Wirbel
der Angreifer. Noch 20 m weiter und wir sind aus dem Gehölz draußen und
stehen inmitten einer lieblichen und freundlichen Dorfsiedlung, sehen viele
Dutzend Häuser, die zweistockig und mit Schindeldächern bedeckt wie ein Weiler
in unserem Schwarzwald in weiten Abständen voneinander liegen. Der Ort
streckte sich über die ganze Nordseite des Tales hin. Jeder Hof lag auf seinem
zu ihm gehörigen Feld.

Einmal außerhalb des Gehölzes hielten wir sofort die Pferde an. Unsere An-
greifer verfolgten uns nicht weit. Sie begnügten sich mit dem Raube. Sie führten
die Maultiere in ein Haus auf der anderen Seite des Baches, meine zwei Diener,
immer mitten in der Schar, reden eifrigst auf sie ein. Alles spielt sich noch so
nahe von mir ab, daß ich leicht jeden einzelnen meiner Angreifer aufs Korn
nehmen könnte. Aber warum durch Blutvergießen die Rache und Verfolgung
des ganzen Stammes auf mich ziehen? Meine Pistole war überdies durch das
Parieren eines Schwerthiebs zerhauen, meine Schwertklinge abgesprungen.

Wir suchten das Kloster von Merge, in dem der Be hu residieren sollte.
Aber die Siedlung wollte kein Ende nehmen. Stundenlang zieht sie sich hin.
Wir ritten im Schritt. Bald merkten wir, daß nur der unterste Teil des Tales
gegen uns alarmiert und aufgeboten war. Höher oben wurden wir gegrüßt.
Nachdem wir an gegen 300 Höfen vorbeigeritten waren, kam das Kloster in
Sicht. Vier Akka hockten träumerisch vor dem Tor und spielten mit ihren Rosen-
kränzen. Frauen gingen um ein Gebetmühlenhaus und setzten die schmierigen
Lederwalzen in Schwung. Es war ein Gelugba-Kloster und machte einen recht
ärmlichen Eindruck, der gar nicht zu der Größe und der offensichtlichen Wohl-
habenheit des Ortes paßte.

Wir fingen eine harmlose Unterhaltung mit den Mönchen vor dem Tore
an und erfuhren schon jetzt, daß der Vorsteher nach Labrang gomba und Gum
bum gereist sei und vor einem Monat nicht zurückerwartet werde. Bis Labrang
gomba rechneten sie hier fünfzehn bis sechzehn Reittage. Nachdem Brdyal

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