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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0361 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
| 私のチベット旅行 : vol.2 |
引用情報
OCR読み取り結果
Ngaba Metsäng hatte Sung pan ting-er Kaufleute ausgeplündert und auf deren
Klage beim Ting seinen Raub nicht herausgegeben. Er fühlte sich inmitten seiner
Gerstenfelder und Steinhäuser so sicher, daß er sich von nun an „Kaiser" (gong ma)
nennen ließ. Der Sung pan-Ya men warb deshalb im Einverständnis mit der Zentral-
regierung Mannschaften an und schickte 800 Mann unter dem Befehl von drei Majoren
ins Ts'ao ti hinauf. Die Bewaffnung der Truppen scheint sehr gut gewesen zu sein
und bestand aus neu erworbenen Mauser- und Hotchkiß-Gewehren; kein Mann aber
hatte eine Ahnung von der Handhabung der Gewehre. Man hielt es nicht für nötig,
die Truppen zu drillen, noch viel weniger dachten die Offiziere daran, ihre zusammen-
gewürfelten Leute, von denen die wenigsten vorher ein Gewehr in den Händen gehabt
hatten, einige Schüsse nach einer Scheibe abgeben zu lassen. Ein paar Tschang la-
Leute hatten insgeheim mit ihren neuen Waffen nach Steinen geschossen und be-
kamen dafür je 50 Schläge an den Platz appliziert, den man für gewöhnlich mit Hosen
zu bedecken pflegt. Wieder wollte man zunächst rein asiatisch-chinesisch vorgehen
und nur bluffen. Trotz der schlechten Wege ließen sich die Herren Majore von
ihren Untergebenen in Sänften ins Feld tragen. Alles ging auch nach Wunsch, bis
man auf 50 Li vor Ngaba stand und dort ein befestigtes Lager geschlagen hatte.
Die Offiziere dachten, von ihrem Lager aus mit Ngaba zu unterhandeln, und als
der Ngaba-Häuptling dazu nicht erschien, wurden 500 Reiter vorgeschickt, um ihn zu
laden. Darauf hatten die Fan tse aber nur gewartet. Sie rückten, angeblich 1700
bis 2000 Mann stark, ins Feld. Ihre Reiter steckten in Kettenhemden und dicken
seidewattierten Jacken, die gegen gewöhnliche Flintenkugeln einen ganz guten Schutz
abgaben. Die chinesischen Reiter, die den Häuptling holen sollten und denen zur Auf-
munterung gesagt worden war, ihre neuen Gewehre trügen 10 und 20 Li weit, begannen
aus 3 Li Entfernung das Feuer, ohne natürlich auch nur einen einzigen Gegner zu
verwunden, denn niemand hatte ihnen auch nur ein Wort über Visierstellen u. dgl.
erzählt. Die 30 Patronen, die jeder bei sich trug, waren rasch verschossen, und als
man nur noch abgeschossene Gewehre in Händen hatte, da brausten die Panzerreiter
daher. Eine große Zahl Chinesen, darunter ein Offizier, wurde gefangen, ein Haupt-
mann und 21 Mann erschlagen. Die Chinesen flohen in Auflösung nach China zurück,
ohne aber von den Fan tse behelligt zu werden. Auch wurden die Gefangenen nach
vier Tagen heimgeschickt. Im darauffolgenden Jahre (1903) wurden 1500 Chinesen
aufgeboten. Man marschierte jedoch diesmal über Merge und nicht über den Gari la.
Unweit vom Kloster Merge sah ich noch die Reste der befestigten Standlager. Der
Tschümzad von Merge gomba legte sich auf die Bitten der Offiziere ins Mittel und brachte
nach einigen Monaten einen Frieden zustande. Der Häuptling von Ngaba Metsäng
zahlte für jeden toten Chinesen 200 Tael und 300 für den Hauptmann. Der geraubte
Tee verblieb ihm jedoch, denn er war schon getrunken. Dieser Erfolg war möglich,
weil die Tibeter untereinander nicht einig waren. Ngaba Metsäng hatte sich mittler-
weile mit Ngaba Tsenda verfeindet und mußte gewärtig sein, daß ihm das letztere in
den Rücken falle, da es chinesisches Geld „gegessen" hatte.
Unser Kampf mit den Sümpfen des Re tschü war überaus ermüdend. Der
Regen hielt an und machte die Kartenaufnahme zeitweise fast illusorisch. Auch
jedes kleine Seitental war von einem Morast erfüllt. Die zwei Eklaireurs, die für
die nachkommenden Reiter und Lastpferde das beste Durchkommen erkunden
sollten, lagen alle Augenblicke in einem Schlammloch. Oft sank auf lange
Strecken Roß und Reiter bei jedem Schritt knietief in den Sumpf. Der Tsung ye
aber ohne Unterlaß vorwärts. Ich hatte noch nie einen so eiligen und
nervösen Menschen gesehen. Kein Tagesmarsch war ihm lange genug und bei
jeder Teerast brachte er mir sein Gewehr und fragte, ob es noch in Ordnung
sei — allerdings mit Recht, denn der Arme konnte am wenigsten reiten, war
noch nie zuvor bei nassem Wetter draußen gewesen und lag deshalb am häufigsten
in einer Kotlache und brachte Sand und Schlamm in seinen Gewehrlauf, ob-
wohl er, wie es alle tapferen chinesischen Soldaten damals hielten, einen dicken
Stöpsel in der Mündung seines geladenen Gewehres stecken hatte.
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