National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0375 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
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schon seinen schönen, rotsamtenen Waffenrock vom Leibe und stopfte ihn in
m e i n e n Kleidersack. Noch schlimmer ging's unserer großen, roten Fahne.
So schnell mußte sie von ihrer langen Lanze herunter, daß ihr Tuch in Fetzen
ging, und Tschemotscho bückte sich flink und drückte sie in ein Hasenloch
am Wege. Ma sche tschangs, des Korporals, schöne, rote Uniform mit den roten
Frackschößen wurde schlimm zerknüllt zwischen die Holzstäbchen seines großen
Parapluies gezwängt; dazu entfuhr ein gräßlicher Fluch seinen Lippen, daß sein
Herr ihm außer dieser Waffe gegen den Regen nichts anderes mitgegeben habe.
Das Gefecht am Rande der Nima long, an dem Fuß der Kalkberge nahm in-
zwischen mit viel Pulververschwendung und viel Geschrei seinen Fortgang.
Die Chinesen waren noch in der Nacht aus ihrem Lager aufgebrochen, waren dem
Geku-Tal gefolgt und hatten jetzt, als wir sie zu Gesicht bekamen, einen Gras-
paß in den Kalkbergen überschritten, von dem aus sie die Hochfläche Nima long
und die Ebene, in der der nDam tschü und der Me tschü fließen, übersehen
konnten. Mit dem Glase sah ich deutlich ihre roten Röcke, sah, wie sie zögerten,
den schwach geneigten Hang hinabzusteigen, wie nur wenige Beherzte etwas
weiter rechts dem flachen Grund eines trockenen Wasserrisses folgten, wie da-
gegen die Tibeter, mit ihren scharfen Augen jeden Vorteil erspähend, von Stein
zu Stein schlichen. Wir waren nicht mehr ganz 2 km von den Tibetern entfernt,
als wir im rechten Winkel nach Westen abbiegen konnten. Ganz niedere Hügel
deckten uns gegenüber den Zelten von Radang, an denen wir auf etwa 500 m
vorbeikamen. In der Mitte eines großen Kreises schwarzer Zelte standen die
Pferde angepflöckt, die den Chinesen geraubt worden waren. Die Yak- und Schaf-
herden aber ließen die Radang-Leute, als ob es Alltag wäre, auf den Höhen, durch
die wir ritten, grasen. Wir sahen nur zwei Greise und zwei Priester als Hirten.
Wir ritten am Ostende des Mou ts'o vorbei, eines schönen blauen Wasser-
spiegels, der sich 3 km weit nach Nordwesten zieht. Unweit seines Westendes
konnte ich den Rauch der Mou-(Muru-)Zelte erkennen. Im Nordnordwesten des
Mou ts'o liegen die Winterhäuser des Mou-Stammes und nicht allzu weit davon
Gamo rgendya, das Stammeskloster. Hinter dem Mou ts'o und seinem Sumpf,
der bei uns zwei Stürze verursachte, ging's in einem Wiesental aufwärts in die
Kalkberge hinein. Vorher querten wir noch die große Sung pan-Straße, die wir
am 30. August bei der Dah' rgenggo-Ebene verlassen hatten und die seither, die
großen Sümpfe des Re- und Me tschü, die ich aufsuchte, meidend, immer dem
Südabhang des Kalkzuges gefolgt war. Sie läuft in der gleichen nordwestlichen
Richtung weiter. Vom Mou-Land führt sie ins Lharde-Land und zum Kloster
Tschaga wechi. Hinter dem Lharde-Land gelangt man allmählich zu den früher
angeführten Mongolensitzen und zwar zunächst zu denen von Wäse¹).
Wir waren um halb zwei Uhr auf einem Sattel des Kalkgebirges, das hier
N 78° W streicht, in 3705 m Höhe. Man sah von dort aus auf die gut aus-
getretene Straße nach Lhamo gomba. Sie führte nach Überschreitung zweier
kleiner Schluchten, die noch nach Westen zum Hoang ho abbogen, über einen
zweiten Sattel von 3635 m, der die Wasserscheide zwischen Hoang ho und einem
Fluß von Täwo kiang ts'a bildet. Das Kalkgebirge lag als erhöhtes Plateau
neben dem Sumpfland und seinen Sandsteininseln.
Als wir uns dem ersten Passe näherten, wurde es auf einer Anhöhe daneben
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