National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Meine Tibetreise : vol.2 |
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bräunlich oder weiß, sie ist aber gleichfalls langhaarig. Die Schnauze ist spitz
und die Ohren sind kurz und aufrecht stehend. Das Fleisch ist lange nicht
so fetthaltig und darum für den Geschmack der Chinesen nicht von derselben
Güte. Zur Feldbestellung werden vorzugsweise Yakbastarde angeschirrt. Zur
Zucht derselben halten die Amdowa sich rothaarige Rinder, die mit Yakbullen
gedeckt werden.
Am 25. September abends erreichten Mr. Ruhl und ich den Ort Hei tso.
Am Nachmittage hatten wir Dohar gomba und hierauf Dialu gomba, kleine
gelbe Klöster, angetroffen, die bereits den Klosterfürsten von Labrang unter-
stehen. Dazwischen lagen kleine Dörfer eingestreut, keines mit mehr als fünfzehn
bis zwanzig winzigen Häuschen. Die einzelnen Familiensitze sind dicht zu-
sammengedrängt und setzen sich aus Lehmhäuschen mit flachen Dächern und
ummauerten Höfchen zusammen. Sie sind einstockig, und auf den Dächern war
die wenige Wochen vorher eingebrachte Ernte in großen, runden Haufen wie
Kuppeln oder übermäßig große Bienenkörbe aufgeschichtet. Wenig anders
als diese Dörfchen der Bauern war Hei tso geartet. Es ist der Laienplatz, der
Markt des Klosters Tso gomba, dessen Heiligtümer in nur 1 km Entfernung
jenseits eines kleinen Baches stehen. Tso gomba soll, die jüngsten Dschraba
ungerechnet, zweihundert Priester, Hei tso aber alles in allem neunzig Familien
haben, darunter nur zwei Familien Tibeter. Hei tso besteht aus nur e i n e r
Straße, einem einzigen „gai", an dem die einstockigen Lehmbuden aneinander-
gereiht sind. Oben und unten ist ein Tor, das nachts verschlossen wird. Hei tso
ist der konzessionierte Handelsplatz der Chinesen und Mohammedaner für den
Bezirk des ganzen Dohar-Tales, gleichzeitig ist es der Schlachtplatz und Fleisch-
markt des Klosters. Das Geschäft ist verhältnismäßig blühend, täglich kamen
zwischen zwanzig und dreißig Maultiere (die Last zu je 240 cattie) mit Salz,
Zucker, Reis, Weizen und Stoffen aus China an, zeitweise sollen fünfzig und
noch mehr Maultiere aus- und einziehen. Aber die meist mohammedanischen
Chinesen klagten sehr über die drückende Behandlung von seiten der Tibeter,
will sagen der herrschenden Lama, die ein Polizeiamt hier eingerichtet haben,
von den Händlern Steuern und Mieten einziehen und bei den vielen Streitig-
keiten, die ihre bösen Stammesgenossen vom Zaune brechen, als parteiische
Richter wirken. Für einen Raum von 2 × 5 m Bodenfläche müssen jährlich
12 Tael Miete bezahlt werden, was als exorbitant angesehen wird, da doch
ringsum Platz in Hülle und Fülle vorhanden ist und die Mehrzahl der Schlächter,
Krämer und Handwerker mit einem Betriebskapital von 20—60 Tael arbeitet.
Die Mohammedaner und Chinesen fühlen sich namentlich auch dadurch stark
bedrückt, daß die Tibeter ihnen nicht gestatten, ihre Toten in der Erde zu
beerdigen, sondern sie zwingen wollen, die Gestorbenen dem Tierfraß aus-
zusetzen. Insgeheim und bei Nacht nur wagen die fremden Kaufleute ihre An-
gehörigen zu verscharren. Würde nicht ein so besonders profitliches Geschäft
dabei herausspringen, so würden die Händler gerne das Feld räumen, denn
kein Mandarin wagt mit gleicher Härte vorzugehen wie die Äbte von Labrang
und die Lama seiner Diözese.
Das Kloster Tso (schTsu) gomba (Tafel LXVII), wie andere Lamasereien
des Nordens im Grunde nur eine Dorfsiedlung voll Mönchen, mit einer
Gebetelesehalle, dem Tsog lha kang, dem Gung kang und einigen Wohnungen
höherer Beamter, ist nach Süden orientiert. Es breitet sich auf einem der
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