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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0422 |
Meine Tibetreise : vol.2 |
| 私のチベット旅行 : vol.2 |
引用情報
OCR読み取り結果
Lama und sprach sogleich zu ihrem Mann: „Du willst dir Rats holen, weil deine Frau
schwer krank ist. Du hast zwei Söhne. Schlachte den einen von diesen und hänge sein
Fleisch in kleine Stücke zerschnitten auf diesem Berge auf." Als der Mann nach Hause
zurückkam, lag auch seine Frau schon wieder da und tat schwer krank. Sie fragte
sogleich nach des Klausners Bescheid. „Ich soll einige Messen für dich lesen lassen,
dann bist du in einem Monat gesund," antwortete der Mann, der die Wahrheit nicht
zu gestehen wagte. Die Frau aber winselte und schrie von Stund an vor übergroßen
Schmerzen, bis der Mann ihr versprach, am anderen Tage noch einmal den Klausner zu
besuchen. Als er auf dem Berge anlangte, war die Frau auch schon oben und hatte sich
wieder in den Klausner verwandelt. „Wenn du deinen Sohn nicht schlachtest, wird
deine Frau heute abend tot sein," sprach sie. Da dachte der Mann bei sich: „Wenn
meine Frau stirbt, dann habe ich in einem Jahr zwei Frauen verloren. Wenn ich aber
den Knaben töte, dann wird mir die Frau viele andere Kinder schenken können."
Er beschloß deshalb, einen der Söhne zu opfern, band ihn und wollte ihn gerade an
einem Baume erdrosseln, als der andere Knabe rief: „Apa, Vater, Vater, sieh
doch nach der anderen Seite des Flusses, nach dem Berge hinüber," und wie der Vater
dahin blickte, erblindete sein linkes Auge. Darauf sah er den zweiten Berg an, den
er einst als Zeugen aufgerufen hatte, und da wurde er auch auf dem rechten Auge blind.
Jetzt entflohen die Knaben und liefen zu dem Grabe ihrer Mutter und weinten dort
drei Tage und drei Nächte. Nach drei Tagen kam eine schöne Frau und fragte sie,
warum sie so bitterlich weinten. Plötzlich sauste ein Windstoß daher und führte die
Knaben mitsamt der Frau hinweg zu einem goldenen Schlosse am Ufer des Flusses.
Dort sprach die Frau: „Ich bin eure Mutter; ich habe nicht mehr mit den Menschen
zusammen leben wollen, und deshalb bin ich gestorben und in meiner Welt zurück-
gekehrt. Was aber euer Vater nach meinem Tode tat, das weiß ich alles." Und drei
Jahre lang lebten die Knaben bei ihrer Mutter in dem goldenen Schlosse mit den silbernen
Türen; dann wollten sie wieder nach ihrem Vater sehen. Die Mutter gab ihnen eine Last
Fleisch und zwei Lasten Asche mit auf den Weg. Sie erreichten am Abend das Haus
des Vaters und blickten durch das Fenster in die Stube hinein. Da sahen sie, wie ihre
böse Stiefmutter sich anschickte, ihren Vater bei lebendigem Leibe aufzufressen, weil
er ihr nicht genug Fleisch verschafft hatte. Die Knaben kletterten darum geschwind
auf das Dach des Hauses hinauf und warfen durch den Rauchfang das Fleisch hinunter
in die Stube. So viel sie hineinwarfen, alles schnappte die Stiefmutter mit dem Maule
auf und verschlang's, und loderndes Feuer schlug aus ihrem Schlund heraus. Da
schütteten sie zuletzt, als eben die Frau ihr Maul wieder gierig aufgesperrt hatte, noch
die zwei Lasten Asche hinab, so daß sie erstickte. Jetzt nahmen die Knaben den Vater
mit sich in das goldene Schloß zu ihrer Mutter, und alles wurde wieder gut. Der Vater
blieb aber blind, denn er hatte seine Augen den Berggeistern verpfändet, und auch die
erste Frau, die gute Fee, konnte diese nicht mehr einlösen.
Sprüche und Rätsel aus Osttibet.
Wenn ein Ochse über dein Gesicht läuft, so siehst du es nicht; wenn aber eine
Laus über das Gesicht eines anderen läuft, so siehst du es sofort.
Wer noch nie seinen eigenen Schatten gesehen hat, lacht über den Schatten
anderer Leute.
Ich dachte, ich sei früh aufgestanden, aber ich traf Leute, die noch gar nicht ge-
schlafen hatten.
Die Hühner zerrupfen wohl viel, aber sie fressen nicht nur Körner.
Wenn du das nicht verstehst, was ich dir eben sage, so kann ich dich eben mit
Worten nicht satt machen.
In der Stadt teilt der Jäger schon das Wildfleisch und die Felle, ehe er sich zur
Jagd begibt.
Schämst du dich nicht, daß ein Dieb, wenn er zu dir kommt, nichts zu stehlen
findet!
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