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0220 Southern Tibet : vol.5
南チベット : vol.5
Southern Tibet : vol.5 / 220 ページ(カラー画像)

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doi: 10.20676/00000263
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2. Die cretaceischen tertiären Niveauveränderungen in Südwesttibet.

Am Ende der Jurazeit begann das Meer immer seichter zu werden. Die Sedimente des
jüngsten Jurameeres bestanden aus feinem, terrigenem Detritusmatcrial, aus dem ein fein-
körniger Tonschiefer, Spitischiefer, hervorging. Im Anfang der Kreidezeit herrschten noch
ungefähr dieselben Verhältnisse, nur dass das Meer immer seichter wurde. Gleichzeitig nahm
die Korngrösse des terrigenen, ins Meer ausgeführten Materiales zu. Auf den Schiefer folgt
ein Sandstein, Gieumalsandstein, zuerst in Wechsellagerung mit Schiefer, dann herrschend.
Hier und da spürt man indessen Oszillationen des Meeresstandes während der ganzen Neocomzeit:
Einlagerungen von Schiefer- und Jaspislagen im Sandstein kommen nicht selten vor.

Schon in den ältesten Zeiten des Gaults wurde das Kreidemeer tiefer. Auf das terri-
gene Sediment des Neocoms folgen rein biogene Kalksteine mit Orbitolinen und Rudisten.
Zwischen dem Neocom und dem Gault-Cenoman herrscht demnach in lithologischer Beziehung
ein scharf markierter Unterschied. Ob dieser Unterschied unvermittelt dasteht, oder ob es,
wie sich vermuten lässt, Übergangsglieder zwischen der Sandsteininformation des Neocoms und
der Kalksteininformation des Gaults gibt, ist zur Zeit unmöglich festzustellen. Für die genaue
Beantwortung dieser Fragen wären detaillierte stratigraphische Untersuchungen, beispielsweise
in der Gegend von Tomo schapko, notwendig. So viel steht indessen fest, dass schon im
Anfang der Gaultzeit das Kreidemeer tiefer geworden war, was natürlich auch eine Trans-
gression dieses Meeres über früheres Festland hinaus hervorrief. Auch während der Cenoman-
zeit herrschten dieselben Verhältnisse; ein relativ tiefes Meer bedeckte auch während dieser
Zeit das westliche und südwestliche Tibet.

Nach W. stand dieses Gault-Cenomanmeer in offener Kommunikation mit dem Gault-
Cenomanmeer, aus welchem sich die Kalksteine mit Orbitolinen und Rudisten bei Vahneh und
Bendé Burida südlich des Kaspischen Meeres, bei Erekli am Schwarzen Meere, im Libanon,
Balkan etc. absetzten.¹ Nach SW., innerhalb der tibetanischen Zone des Himalaya, fand auch
eine postneocome Transgression des Kreidemeeres statt; auf die Seichtmeerbildung des Gieu-
malsandsteins folgt hier nämlich der Chikkimkalkstein mit Inoceramns, Rudisten etc. Im SO.,
in den Provinzen Tsang und Ü, scheint sich dagegen das Seichtmeer bis zur Turonzeit erhalten
zu haben, indem die eigentliche Transgression hier zuerst oder nach dem Turon begann.

Die Fortdauer dieser Gault-Cenomansubmersion scheint weder in dem von Dr. HEDIN
untersuchten Gebiete von Tibet noch im westlichen Himalaya allzu lang gewesen zu sein, ja, es
gibt Gebiete im Himalaya, z. B. bei Malla Johar, die keiner eigentlichen Submersion während
der Kreidezeit unterworfen worden sind. Hier wird die ganze Kreide oberhalb des Gieumalsandsteins von der sogenannten Flyschformation repräsentiert, einer Bildung, die sich wohl
teilweise im Seichtmeer abgesetzt hat, teilweise aber als subaärische Tuffe anzusehen ist.
Sonst folgt im Himalaya diese Seichtwasser- oder subaärische Formation zuerst auf den ma-
rinen, in grösseren Tiefen des Kreidemeeres abgesetzten Chikkimkalkstein. Wenn, wie hier
oben (S. 202) vermutet wurde, der Chikkimkalkstein ein Äquivalent des Gault-Cenomankalk-
steins von Südwesttibet ist, so wäre damit bewiesen, dass die Submersion dieses Gebietes sich
nicht über die Cenomanzeit hinaus erstreckte. Südöstlich dieses Gebietes aber dauerte die
Submersion bis in die älteste Eocänzeit hinein fort.

Von einem Nummulitenmeer zeigen die von HEDIN untersuchten Gebiete ebensowenig
Spuren wie die von HAYDEN in Tsang und Ü durchforschten.