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0355 Southern Tibet : vol.6
Southern Tibet : vol.6 / Page 355 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000263
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A. Allgemeines.

Inbezug auf die Diatomeenflora war Zentralasien bisher so gut wie unerforscht.
Die eingehendste mir bekannte Arbeit, die sich speziell mit diesem Gegenstande
beschäftigt, ist eine Arbeit von C. MERESCHKOWSKY, Diatomées du Tibet, vom
Jahre 1906.¹

Eine längere Liste von Diatomeen, allerdings fast nur Ubiquisten, erwähnt
R. GUTWINSKI 1903 in De algis, præcipue diatomaceis a Dre J. Holderer anno
1898 in Asia centrali atque in China collectis, während die Bearbeitung der Dia-
tomeenflora des Kossogolbeckens durch E. OESTRUP, sowie die Untersuchungen über
die Algenflora des Baikalsees von GUTWINSKI und DOROGOSTAISKY schon außer-
halb unseres Gebietes liegen.

Es war mir deshalb sehr angenehm, von Herrn Prof. Dr. C. H. OSTENFELD in
Kopenhagen zu hören, daß bei der Bestimmung der von Herrn Dr. SVEN HEDIN mit-
gebrachten Algen auch Bacillariaceen beobachtet worden seien, zu deren genaueren
Untersuchung mir das Material zur Verfügung gestellt werden könnte. Sämtliche Proben
bestanden lediglich aus Algenrasen, Chlorophyceen und Schizophyceen, und einzelnen
Wasser bewohnenden Phanerogamen, die auf Papier aufgezogen und mit den anhaftenden
Diatomeen also bereits seit mehr als 20 Jahren trocken aufbewahrt worden waren.
Bei der Gleichförmigkeit des Materials lag die Vermutung nahe, eine ebenso einförmige
als artenarme Bacillariacenflora vorzufinden. Daß meine Untersuchung das Gegenteil
beweist, liegt vor allen Dingen daran, daß die Proben in sehr verschiedenen Gebieten
gesammelt sind. Unter den Standorten finden wir sowohl die Gletscherwasser des
Mus-tagh-ata im Pamirhochland, wie die Salzseen am Fuße des Kwen-lun und die Salz-
sümpfe der Tsaidamsteppe vertreten. Einzelne Proben sind sehr formenreich, und sie
lassen darauf schließen, daß das Innere Asiens noch manches Neue und Interessante
bergen wird. Leider wird es kaum möglich sein, eingehendere Sammlungen aus diesen
abgelegenen Gebieten zu erhalten, so daß es dem großen Geographen als besonderes
Verdienst angerechnet werden muß, auch der Kleinwelt seine Aufmerksamkeit gewidmet