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0124 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 124 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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Berge, Flüsse, ganze Länder und kleine Orte tragen die gleichmäßige, meist aus zwei bis
vier Zeichen bestehende Schrift, die aber so zierlich eingezeichnet werden kann, daß sie
den andern Angaben einen viel kleineren Raum abnimmt, als es die Namen in unserer
Lautschrift tun. Auf die Verwendung verschiedener Farben wird im allgemeinen verzichtet;
schon in dem tiefen Schwarz werden die einzelnen Angaben äußerst sauber ausgeführt, so
daß Unklarheiten nicht so leicht entstehen können. In der Einzeichnung von Wüsten sind
die chinesischen Karten, wie es scheint, den europäischen vorangegangen; das Auftreten
von Sandwüsten wird dort schon am Ausgang des Mittelalters durch dichte Anhäufung
von Punkten zum Ausdruck gebracht; in dieser Form zieht sich z. B. die Gobi wie ein
breites Band jenseits der Nord- und Nordwestgrenze Chinas hin; und erst aus solchen Vor-
lagen haben wir durch Vermittlung der ersten Jesuiten jenes Kartenelement übernommen.

c) Die Vorzüge der chinesischen Karte. Während in mathematischer Beziehung
die chinesischen Karten einen mehr oder minder unvollkommenen, oft geradezu unbeholfenen
Eindruck machen, liegen ihre Vorzüge auf philologischem Gebiete. In klarer und sauberer
Anordnung liefern sie uns über ihr eigenes Land ein ungeheures Material von allerlei
geographischen Namen und sonstigen Angaben, die wir auf europäischen Karten teilweise
entstellt oder überhaupt nicht eingetragen finden. Was die Chinesen einzeichnen, haben
sie durch die Praxis, und zwar entweder durch besondere Landesaufnahmen oder durch
genaue Erkundigungen, gewissenhaft festzustellen gesucht. Selbst wenn sie bis an die
Grenzen ihrer Oikumene hinausgehen, halten sie sich nach Möglichkeit an verbürgte Tat-
sachen. Mythische oder legendenhafte Darstellungen, worin so viele Karten des christlichen
Mittelalters unerschöpflich sind, kommen bei den Chinesen nur in Ausnahmefällen vor;
dann haben sie sich aber so lange durch die Tradition fortgesetzt, daß selbst die europäische
Kartographie dieses oder jenes davon unbewußt, wenn auch in inzwischen veränderter
Bedeutung, übernommen hat, wie es am besten der uralte Volksname Kun-lun beweist,
der nach manchen Wandlungen heute als Gebirgsname Kwenlun die tibetische Zentralkette
bezeichnet.¹

3. DAS VORLIEGENDE KARTENMATERIAL.

a) Frühere Bearbeitungen. Schon in verschiedenen Kapiteln des vorliegenden
Gesamtwerkes konnte dargelegt werden, wieviel die europäische Kartographie der chine-
sischen zu verdanken hat; der Einfluß begann während der ersten Handelsbeziehungen mit
den Portugiesen, seinen Höhepunkt erreichte er im 18. Jahrhundert, als die Kaiser Khanghi
und Khienlung gelehrte Jesuitenmissionare zur Mitarbeit heranzogen; aber auch heute noch
ist er auf europäischen Karten von China und Zentralasien zu spüren; und es wäre nur
zu wünschen, daß in Zukunft die Leistungen der Chinesen, die uns immer noch nicht genügend
bekannt sind, wieder in verstärktem Maß nutzbar gemacht werden. Schon aus diesem
Grunde verdient es die chinesische Kartographie, in ihrer gesamten Entwicklung eingehend
gewürdigt zu werden.

Das reiche Quellenmaterial, das die Chinesen hierüber in ihrer größten Enzyklopädie
zusammengebracht haben², ist erst neuerdings kritisch zusammengefaßt und erweitert
worden. So verdanken wir vor allem Edouard Chavannes eine meisterhafte Übersicht bis