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0128 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 128 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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sprüche lösen, welche bisher die alte Geschichte Chinas so sehr verdunkelt und verfälscht
haben; vor allem wird das Phantasiegebilde eines uralten Riesenreiches, das, vom Minister
Yü überall geordnet, im Westen bis an die Pforten Zentralasiens grenzte, in sich zusammen-
sinken, und dafür ersteht für dieselbe Vorzeit auf dem Boden der heutigen Provinz Honan
ein kleines Fürstentum, in dem sich die ersten Anfänge chinesischer Kultur entwickelt haben.
Über ein Jahrtausend vergeht, bis der Staat am Ende der Shang-Dynastie den Umfang
erreicht, den uns die erwähnte Reichsgeographie angibt (um 1125 v. Chr.), während die
Nachwelt sie fälschlich bis in die Anfänge des Staates unter Yü hinaufgesetzt hat. Im
Westen hat man inzwischen die Gebiete des Wei-ho und des Han-chiang einverleibt. Aber
wieder muß ein Jahrtausend vorübergehen, bis man endlich an den Eingangspforten nach
Tibet und Ostturkistan steht; denn erst unter der älteren Han-Dynastie ist wirklich die-
jenige Westgrenze erreicht, welche man damals auf die alten Zeiten des großen Yü
übertrug, wie es besonders die oben genannte Yü-kung-Karte zum Ausdruck gebracht
haben muß.

e) Die enge Begrenzung der ältesten Reichskarten im Westen. Schon aus
diesen wenigen Andeutungen dürfte genügend hervorgehen, daß vor der Han-Periode die
Kartographie auf einen viel kleineren Raum begrenzt war, als man nach der Tradition
vermuten sollte. Wenn es in der allerältesten Zeit bereits Landkarten gab, dann konnten
sich diese fast nur auf den Unterlauf des Huang-ho beschränken; im Zeitalter jener Reichs-
karte, die sich hinter dem Yü-kung-Text verbirgt (um 1125 v. Chr.), begannen die fremden
Gebiete des Westens im südlichen Kansu und an der Ostgrenze von Szetschwan.
Nur geringe Fortschritte dürfen wir in dieser Hinsicht in den folgenden Karten
erwarten, obgleich sie sich unter der Chou-Dynastie systematisch weiter entwickelt haben.
In diesen Zusammenhang gehören auch zwei mit Legenden untermischte geographische
Werke, welche bisher zu den übertriebenen Vorstellungen Anlaß gegeben haben: das
Shan-hai-ching oder der Klassiker der Berge und Meere, sowie der romanhafte Bericht
über eine Reise des Chou-Königs Mu nach dem Westen (984 v. Chr.), und zwar zu einem
gewissen Hsi-wang-mu, dessen Namen viele Gelehrte als Königin-Mutter des Westens auf-
fassen wollen, indem die einen ihr Reich nach Ostturkistan, andere noch weiter nach
Persien, ja selbst bis nach Südarabien hinausschieben; wie wir quellenmäßig darlegen
können, dürfen wir keineswegs den Rahmen der älteren Reichsgeographie überschreiten,
d. h. wir haben das Reich dieses Nachbarfürsten im südlichen Kansu zu suchen, was
insbesondere für unsere Stellungnahme zu den späteren über ihn verbreiteten Legenden
sehr lehrreich sein wird.
Erst unter der mächtigen Ch'in-Dynastie erfolgte nach Westen hin ein merklicher
Fortschritt, der vor allem durch die erfolgreichen Kämpfe gegen die Hunnen und die
vorläufige Beendigung der Großen Mauer besiegelt wurde. Diesen Eroberungen folgte
die Reichskarte; und es fehlte nur noch wenig, dann war endlich die Westgrenze erreicht,
welche wir auf den bald darauf entstandenen Karten der Han-Dynastie sowie auf der
gleichzeitigen Yü-kung-Karte voraussetzen dürfen.
Für die erst jetzt einsetzende Kartographie der Westländer ist das langsame Vorrücken
der älteren westlichen Reichsgrenze von grundlegender Bedeutung gewesen. Denn je mehr
dadurch die Reichskarte nach dem Westen hinauswuchs, desto mehr wich mit dem
hypothetischen Westmeer die fremde Randzone zurück, welche von den älteren Karten
her immer wieder mit denselben geographischen Namen erfüllt war. Dieses Material
ging dann schließlich in die folgenden Spezialkarten der Westländer über, wo sie sich