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0139 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 139 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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III. KAPITEL.

DIE WEN-WANG-KARTE.

1. DAS PROBLEM DES YÜ-KUNG.

a) Die sagenhaften Züge des Yü-kung. Im Yü-kung, d. h. der Tributrolle des
Yü, verherrlichen noch heute die Chinesen einen ihrer ältesten Herrscher als den größten
Neuordner ihres Reiches. Als zur Zeit des mythischen Kaisers Yao eine ungeheure Flut
das ganze Land bedeckte und sich über die Berge ausbreitete, da soll es sein Minister Yü
gewesen sein, welcher durch die Gebirge Abzugskanäle für das Wasser graben ließ; zu
diesem Zweck habe er die einzelnen Provinzen besucht, um die Wälder niederzuschlagen;
auch habe er jeden einzelnen Fluß von der Quelle bis zur Mündung verfolgt, um erst die
Quelle zu reinigen, dann den ganzen Fluß zu regulieren, sein Bett zu vertiefen, einzu-
dämmen und teilweise in ganz andere Bahnen zu leiten.

Solche übermenschlichen Leistungen, mit denen sich etwa die zwölf Arbeiten des
Herakles vergleichen lassen, werden in jener Tributrolle dem späteren Begründer der Hsia-
Dynastie zugeschrieben und in die künstlerische Form gekleidet, daß der Leser zugleich
ein Gesamtbild über die Provinzen Altchinas, über seine Berge und Flüsse gewinnt.

b) Die bisherige Kritik und ihre Mängel. Wenn auch die Anschauungen, welche
die Nachwelt aus dem Yü-kung schöpft, ihre hohe sittliche Bedeutung haben, der histo-
rischen Kritik können sie nicht standhalten. Zunächst haben freilich europäische Gelehrte,
als sie sich seit Beginn des 18. Jahrhunderts dem Studium dieses chinesischen Klassikers
zuwandten, sofort die überschwengliche Erklärungsweise der zahllosen einheimischen Kom-
mentatoren angenommen¹ und zuweilen so phantastische Deutungen hinzugefügt, wie es
in der wissenschaftlichen Forschung selten vorgekommen ist.²

Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts regt sich ernstere Kritik. So weist E. Biot³
darauf hin, daß die dem Minister Yü zugeschriebenen Arbeiten an den Bergen und Flüssen
Chinas doch viel zu gewaltig seien, als daß sie ein einzelner Mensch hätte ausführen können;
vielmehr sei im Yü-kung die Darstellung des allmählichen Fortschritts und Wachsens der
ersten chinesischen Kolonie zu erblicken. J. Legge⁴, dessen treffliche Ausgabe insbesondere