National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0142 |
Southern Tibet : vol.8 |
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OCR Text
auf die Wüsten Ostturkistans¹; und DE GROOT geht sogar noch weiter, indem er in einem
Tributvolk des Yü-kung Skythen oder Saken wiederzuerkennen glaubt, um daraus für das
23. vorchristliche Jahrhundert Handelsverbindungen bis nach Persien zu konstruieren.²
Solchen Schlußfolgerungen steht aber von vornherein das schwere Bedenken entgegen,
daß die westliche Reichsgrenze, von der man auszugehen pflegt, noch gar nicht feststeht.
Um zu diesem Problem Stellung nehmen zu können, haben wir zunächst in eine
philologische Untersuchung des Yü-kung-Textes einzutreten, wo besonders die wichtigsten
Urquelle der Reichsgeographie nachzugehen ist. Damit hängt auch die Frage nach dem
Alter der Urquelle zusammen, das sicherlich viel zu hoch angesetzt ist. Denn wie jeder
andere Staat kann sich auch China erst langsam zu dem Großstaat entwickelt haben, wie
er im Yü-kung beschrieben wird. Während der Anfänge unter Yü wäre ein solch gewaltiger
Umfang undenkbar. Viel glaubwürdiger mutet uns an, was uns im vorigen Kapitel die
Bambus-Annalen gelehrt haben, nach denen in dieser ältesten Zeit das Reich kaum mehr
als den nördlichen Teil der heutigen Provinz Honan eingenommen hat.
Somit stehen wir vor zwei wichtigen Problemen, welche für die gesamte Auffassung
ausschlaggebend sind. Wir werden sehen, daß sie beide allein unter der Voraussetzung
zu lösen sind, daß die vorliegende Beschreibung nur der begleitende Text zu einer Reichs-
karte gewesen ist, die wiederum auf Einzelkarten zurückgeht.
2. DIE REICHSGEOGRAPHIE DES YÜ-KUNG.
a) Die Überlieferung des Yü-kung. Das Yü-kung 禹貢 bildet bekanntlich einen
Teil des Shu-ching, des Klassikers der Urkunden, der zusammen mit andern klassischen
Werken zum erstenmal von KONFUZIUS herausgegeben sein soll. Wir sind in der glücklichen
Lage, heute zwei vollständige Textausgaben des Yü-kung zu besitzen, von denen wir sagen
dürfen, daß sie — abgesehen von ein paar Abweichungen — die erste Fassung unverfälscht
wiedergeben.³
Jede der beiden Vorlagen hat die berüchtigte Bücherverbrennung unter dem Kaiser
SHIH-HUANG (213 v. Chr.) überdauert. Die eine Vorlage wird wegen ihrer älteren Schrift-
form, in der sie unter der ersten Han-Dynastie neu herausgegeben wurde, der »alte Text«
genannt. Diese Handschrift hat man um 150 v. Chr. vorgefunden, als man das Haus des
KONFUZIUS wegen einiger Neubauten niederiß. Ein Nachkomme desselben, K'UNG AN-KUO
孔 安 國, hat 50 Jahre darauf eine Abschrift mit Kommentar dem Kaiser vorgelegt.
Heute liegt uns der Text mit einigen redaktionellen Änderungen in der klassischen Aus-
gabe des Shu-ching vor.⁴
Die Vorlage zur anderen Ausgabe hat ein Mann namens FU SHENG 伏 生, der zur
Zeit des Kaisers SHIH-HUANG dem Gelehrtenkollegium angehört hatte, unter der Regierung
des Kaisers HSIAO-WEN (179—157 v. Chr.) wieder ans Licht gebracht, indem er sie in der
neuen Schriftform abschrieb, dem sogenannten »neuen Text«. Uns ist dieser Yü-kung-Text
durch SSÜ-MA CH'IEN 司 馬 遷 (†94 v. Chr.), den berühmten Verfasser der ersten Geschichte
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