National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0158 |
Southern Tibet : vol.8 |
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und auf den *Chia-ling-chiang*¹, denselben Nebenfluß des oberen Yangtse, in welchem wir
bereits den *Hei-shui* des Yü-kung wiedererkannt haben. Diese willkürliche Unterscheidung
ist natürlich nur daraus zu erklären, daß man den *Chiang*, den *Min-shan* und den Westen
der Provinz *Liang* in der Nähe der tibetischen Grenzgebirge vorausgesetzt hat. So hat
ein Fehler neue Fehler nach sich gezogen, wodurch das Kartenbild noch mehr ent-
stellt wurde.
Um zu einem einwandfreien Resultat zu gelangen, müssen wir das *Yü-kung* selbst
sprechen lassen. Es hat uns mit dem unteren *Chia-ling-chiang* in ein damals fremdes, un-
bekanntes Land hinausgeführt; es hat uns ferner veranlaßt, die westliche Reichsgrenze
etwa bei der Han-Quelle nach Osten und Südosten zurückzuverlegen, indem wir den Bergen
rechts vom Laufe des *Han-chiang* folgten. Diese Linie schneidet den *Yangtse* erst bei
*I-ch'ang-fu*, wo sich der Fluß durch fünf großartige Schluchten zwingt, um sich dann in
einer sanft gewellten, schließlich zur Ebene sich senkenden Landschaft auszubreiten. Letztere
ist dasselbe Gebiet, wo wir den vom Chiang abzweigenden Arm *T'o* und die *Neun Chiang*
kennengelernt haben. Da nun der Min-shan gleich oberhalb des *T'o* angesetzt ist, so
kommen wir genau nach demselben Punkt zurück, wohin uns der Verlauf der Reichs-
grenze geführt hat. Es ist also gar kein Zweifel, daß das Gebirge, welches der Fluß bei
*I-ch'ang-fu* durchbricht, der eigentliche *Min-shan* ist; auf seiner Nordseite führt es heute
den Namen *Wu-shan*.
Somit löst sich das Rätsel des *Chiang* in derselben Weise auf wie das des *Ho*.
Beide Ströme werden nicht von ihrer Quelle an beschrieben, sondern erst von dem Punkte
an, wo sie in das alte Reichsgebiet, und zwar in seine Provinzen *Yung* und *Liang* ein-
treten: der *Ho* bei den »aufgehäuften Steinen« des späteren Meng-men, der *Chiang* im
Gebirge von I-ch'ang-fu. Wie wir schon oben erklärt haben, kann diese merkwürdige
Darstellungsform nur davon herrühren, daß ihr Karten zugrunde liegen, welche über die
Außengrenze der beiden Westprovinzen nicht hinausgehen.
**i) Der Heng-shan und die sogenannte Tafel des Yü.** Für die Provinz *Liang*
ist der *Min-shan* sein südlichster Punkt. Die Reichsgrenze reicht aber noch weiter — oder
wörtlich bis zum »Süden vom *Heng-shans*, der in der Provinz *Ching*² liegt. Die Tradition
identifiziert diesen Heng 衡, einen der vier heiligen Berge Chinas, mit dem im Zentrum
von Hunan gelegenen, hohen granitischen Gebirgsstock; sie zweifelt daran umso weniger,
als an demselben jenes merkwürdige Monument steht, welches als *Tafel des Yü* berühmt
geworden ist. Aber schon v. RICHTHOFEN³ hat die Identifizierung für sehr bedenklich
gehalten, da keine Angabe zu der Voraussetzung berechtige, daß sich die Chinesen damals
in dieser Richtung soweit ausgebreitet hätten. Wir können diesem allgemeinen Einwand
hinzufügen, daß in der Tat der Wortlaut des Yü-kung dem *Heng-shan* eine mehr nörd-
liche Lage vorschreibt.
Zunächst entnehmen wir aus der Beschreibung des *Chiang*, daß sein rechter Neben-
fluß *Li* zugleich der südlichste Fluß des damaligen Reiches gewesen ist; man hat ihn richtig
in dem heutigen *Ling-chiang* wiedererkannt, der beim *Tung-t'ing-See* in den *Yangtse*
mündet. Wenn der *heutige* Heng-shan, der über 200 km südlich vom Tung-t'ing-See liegt,
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