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0159 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 159 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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wirklich der alte Berg wäre, dann müßten wir erwarten, daß neben dem Lüng-chiang auch
einige aus dem Süden kommende Flüsse erwähnt wären, wie der Yueh-chiang, der Tzŭ-
chiang oder der Hsiang-chiang, zumal sie viel wasserreicher sind als der Lüng-chiang. Da
sie aber fehlen, muß es unverständlich bleiben, wenn noch weit darüber hinaus ein Berg
in die Provinzbeschreibung eingegliedert wäre. Hiermit übereinstimmend, liefert uns den
positiven Beweis folgende, schon oben S. 118 zitierte Textstelle:

(Das 9. Gebirge umfaßt) den Süden des Berges Min, (erstreckt sich) bis zum Berge Heng,
geht vorbei an den Neun Chiang usw.

Unter dem Süden des Berges Min ist sicherlich die Erhebung gemeint, die sich
südlich vom Yangtse gegenüber I-ch'ang-fu fortsetzt; und da sich die Neun Chiang bis
zum heutigen Tung-t'ing-See erstrecken, so erhält der eigentliche Heng-shan seinen Platz
genau südlich von I-ch'ang-fu und westlich vom Tung-t'ing-See. Wenn uns auch die
Orographie dieses Gebietes noch zu wenig bekannt ist, so viel ist nach dem klaren Wort-
laut des Yü-kung sicher, daß wir den Süden vom Heng-shan, der den äußersten Punkt von
Altchina bezeichnen soll, in unmittelbarer Nähe der heutigen Stadt Ch'ang-tê suchen dürfen.

Dieses Ergebnis wirft zugleich ein neues Schlaglicht auf die geringe Zuverlässigkeit
chinesischer Identifikationen. Da überdies der Irrtum hinsichtlich der Lage des Heng-shan
nicht vor der Han-Dynastie aufgekommen ist (206 v.—220 n. Chr.), so steht jetzt unwider-
leglich fest, daß die sogenannte Tafel des Yü, die schon wegen ihrer seltsamen Kaul-
quappenschrift den größten Zweifeln begegnete, in dieser Form eine Fälschung ist; viel-
leicht ist es ein unter den Han lebender Gelehrter oder Beamter gewesen, der in der edlen
Absicht, seinen Landsleuten das segensreiche Werk des großen Kaisers Yü für immer ein-
zuprägen, jenes fragwürdige Denkmal errichtet hat. Aber ebenso möglich ist es auch,
daß es ein älteres, bisher mißverstandenes Monument ist, das mit dem Herrscher Yü nichts
zu tun hat.¹

k) Zusammenfassung. Durch die richtige Festlegung des Heng-shan weicht der
äußerste Südpunkt des alten Reiches um volle 3 Breitengrade zurück, während es für den
äußersten Westpunkt sogar 8 Längengrade sind. Zugleich hat die Rückverlegung der ein-
zelnen Punkte zur Folge, daß die gesamte Westgrenze einen viel natürlicheren Verlauf erhält.
Wenn wir vom Katarakt Meng-men, 50 km nördlich vom Huang-ho-Knie, ausgehen, so
hält sie sich zunächst nordwestlich am Rande der Ordos-Steppe und zwar in der Linie
eines alten Grenzwalles (s. unten S. 139f.); jenseits des Kanalnetzes von Ning-hsia biegt sie
südwärts um, wo sie dem Kamm des Liu-p'an-shan folgt; im Südwesten schließt sie noch
die Quellgebiete des Wei-ho und des Chia-ling-chiang mit ein, wendet sich von da weithin
nach Osten und zwar längs der Wasserscheide zwischen dem Han-chiang und dem Yangtse-
chiang, überquert diesen Fluß in südlicher Richtung bei I-ch'ang und endet an den Berg-
abhängen westlich vom Tung-t'ing-See. Der Gobi nähert sich die Grenze also nur bei
Ning-hsia, dem tibetischen Hochlande am oberen Hei-shui-chiang; und es ist ein weiterer
Beweis für ihren natürlichen Verlauf, daß sie am Chia-ling-chiang und Han mit der Süd-
grenze der heutigen Provinzen Kansu und Szetschwan genau übereinstimmt.

Wie sehr die Rückverlegung der Westgrenze das Areal des alten Reiches ver-
kleinert, geht aus folgenden Messungen hervor: